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„Ein bisschen Angst ist dabei“

SCHWEINEGRIPPE Sollte der Erreger H1N1 aus Mexiko im Nordosten der Republik ankommen, sind die im Fachleute eigenen Aussagen zuvolge gut darauf vorbereitet.

„Ein bisschen Angst ist dabei“

Dieser Mexikaner versucht mit einem Mundschutz, den Grippeviren zu trotzen. FOTO: DPA

VON FRANK WILHELM UND DPA REGENSBURG/NEUBRANDENBURG.

Die meisten Patienten und Besucher, die an diesem Tag in das Regensburger Universitätsklinikum kommen, haben es schon im Radio gehört: In der Oberpfälzer Klinik wurde der bundesweit erste Fall von Schweinegrippe diagnostiziert. Wenige Stunden später ist in Deutschland bereits bei drei Patienten der neue Erreger H1N1 bestätigt. Die Menschen im Regensburg verfallen angesichts der beunruhigenden Meldungen zwar nicht in Panik, ein mulmigesGefühl habenviele vonihnen aber doch.

„Ein bisschen Angst ist dabei“, sagt eine Frau, als sie wegen eines geprellten Handgelenks zu einer ambulanten Untersuchung im Kernspintomographen ins Uniklinikum geht. Sie hat einen 20-jährigen Sohn daheim, der an einer schweren Erbkrankheit leidet und gepflegtwerden muss. So hofft die Patientin, möglichst bald wieder bei ihrem Kind zu Hause sein zu können. „So schnell bekommt man die Schweinegrippe nicht“, macht sie sich selbst Mut.

Günter Mutzke wartet dagegen relativ gelassen bei einem späten Frühstück in der Cafeteria. Der 68Jährige hat einen Bekannten in das Krankenhaus gefahren und bleibt optimistisch. „So schlimm wird es hier nichtwerden“, sagt der Rentner aus Burglengenfeld. In Deutschland werde es wohl nur bei Einzelfällen bleiben. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagt der ehemalige Signaltechniker der Bahn.

Am Regensburger Uniklinikum geht trotz des spektakulären Falls alles seinen geregelten Gang. Die Besucher kommen zwar nachdenklich in das Krankenhaus, einen Mundschutz hat sich aber niemand zuvor besorgt. Auch ein internationaler Kongress für plastische Gesichtschirurgie mit 110 Teilnehmern startet ganz normal.Der 37-Jährige infizierte Patientwird indemKrankenhaus, das mehr als 800 Betten und 3500 Mitarbeiter hat, vorsichtshalber aber auf einer Station isoliert, damit er niemanden anstecken kann. Für die Klinik ist das reine Routine.

Mit Routine und Gelassenheit begegnet man auch in MecklenburgVorpommern und Brandenburg der Situation. Sollte der Schweinegrippe-Erreger ausMexiko imNordosten Mecklenburg-Vorpommerns oder in der Uckermark ankommen, ist zum Beispiel das größte Krankenhaus der Region, das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg laut Krankenhausleitung gut vorbereitet. Für die Krankenhaus-Standorte in der Viertorestadt und Malchin gibt es eine Notfallplanung im Falle einer Pandemie, erklärte die Sprecherin des Klinikums, Anett Seidel.

„Diese Pläne regeln unter anderem, dass im Pandemiefall für die Isolierung das Haus C des Bonhoeffer-Klinikums vorgesehen ist“, erklärte sie.Aufgabe der KrankenhausApotheke sei es dann, gemeinsam mit den Apotheken der Kliniken Greifswald, Rostock und Schwerin die gegebenenfalls benötigten Arzneimittel herzustellen. Als Krankenhaus derMaximalversorgung sei die Klinikums-Apotheke in der Lage, entsprechende Arzneimittel imgroßen Umfang herzustellen. „Die Notfallplanung legt zudemVerantwortlichkeiten, spezielle Anforderungen an die Krankenhaushygiene, Absperrungen, persönliche Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter aber auch Desinfektions- und Entsorgungsmaßnahmen fest“, sagte Anett Seidel. Jene Pläne seien bis ins Detail ausgearbeitet, selbst Ver- und Entsorgungswege seien speziell den Gegebenheiten im Klinikum angepasst.

Die Pandemiepläne seien 2007 mit dem Auftreten der Vogelgrippe im Land erarbeitet worden. „Die jüngsten Ereignisse haben im Bonhoeffer-Klinikumdazu geführt, dass diese Pläne noch einmal überprüft werden, damit im Falle des Falls notwendige Maßnahmen ergriffen und die Pläne sofort angewendet werden können“, erklärt Anett Seidel.

Stand 25.08.2011 Quelle: NK0690430