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Den Gelenkschmerzen davongeradelt

TELEFONFORUM ZUM THEMA ARTHROSE: Fast pausenlos klingelten am 31.01.2008 die Apparate beim Telefonforum unserer Zeitung. Zwar konnten die Ärzte keine Ferndiagnosen stellen, aber viele Leserfragen beantworten zur Therapie von Gelenkschmerzen und zum künstlichen Gelenkersatz. Auskünfte gaben Chefarzt Dr. Dirk Ganzer und Oberarzt Dr. Klaus Stadtkus von der Klinik für Orthopädie 1 des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg-Altentreptow sowie Dr. Horst Reich, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie der Klinik am Haussee in Feldberg.

Den Gelenkschmerzen davongeradelt

Patient nach der Knie-OP schnell wieder auf die Beine kommt, sind Bewegungsübungen angesagt. (Dr. Dirk Ganzer, Dr. Horst Reich, Dr. Klaus Stadtkus)

Ich bin 83 Jahre alt und habe zunehmend Schmerzen in den Handgelenken. Vom Hausarzt bekam ich Schmerzmittel. Kann das die Arthrose heilen?
Nein, die Medikamente können nur die Schmerzen lindern. Arthrose ist eine nicht heilbare Krankheit, weil die Gelenke abgenutzt, verschlissen sind. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, dass er Sie an einen Orthopäden überweist, um Ihre Beschwerden abzuklären. Handelt es sich wirklich um Arthrose, ist es möglich, die Gelenkbeschwerden zunächst konservativ zu behandeln – mit Spritzen, Strom, Salben oder Bandagen. Lindern diese Maßnahmen nicht die Beschwerden, ist auch eine Operation möglich, bei der beispielsweise das Handgelenk versteift werden kann, damit Sie wieder Kraft beim Zugreifen haben. Möglich ist auch der Einbau eines Kunstgelenkes.
Ist Bewegung trotz meiner Kniegelenkarthrose ratsam?
Auf jeden Fall. Wer sich bewegt, kommt in der Regel besser zurecht. Zu empfehlen ist unter anderem das Radfahren.
1991 erhielt ich eine Hüftprothese, seit acht Jahren habe ich wieder zunehmend Schmerzen an der Hüfte. Eine Röntgenuntersuchung konnte keine Lockerung nachweisen. Mein Arzt riet mir zu einer Skelettszintigraphie, bei der radioaktives Material gespritzt wird. Doch davor habe ich Angst.
Dafür gibt es keinen Grund. Die Untersuchung ist völlig unbedenklich. Das radioaktive Mittel ist sehr kurzlebig und durchstrahlt auch nicht den ganzen Körper, es wird im Bedarfsfall auch bei Kindern angewandt. Röntgenaufnahmen reichen oft nicht aus, um die Lockerung eines künstlichen Gelenkes nachzuweisen. Die Skelettszintigraphie ist dafür zu empfehlen.
Bei mir wurde eine Arthrose in den Fingergelenken diagnostiziert. Die Fingergelenke schmerzen, sind steif und in der Beweglichkeit eingeschränkt. Was lässt sich dagegen tun?
Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, der eine Knochenszintigraphie veranlassen kann, um genau zu sehen, welche Gelenke wie stark betroffen sind. Mit der Radiosynoviorthese (RSO), eine nuklearmedizinische Behandlung, gibt es eine gute Therapie. Erst wenn sie nicht mehr hilft, sollte über einen künstlichen Ersatz des Fingergelenkes nachgedacht werden.
Ich bin 88 Jahre alt, habe bereits zwei Schlaganfälle erlitten und muss einen Blutverdünner nehmen. Im gelähmten Bein habe ich erhebliche Knieschmerzen aufgrund einer Arthrose. Wegen des Blutverdünners will mir aber kein Arzt Spritzen geben. Was kann mir helfen?
Eine Operation ist aufgrund Ihres allgemeinen Gesundheitszustandes nicht ratsam. Doch lässt sich der Blutverdünner, den Sie bisher nehmen, zeitweilig durch einen anderen, Heparin, ersetzen. Dann können auch Injektionen ins Kniegelenk vorgenommen werden.
Noch in diesem Monat soll ich in der orthopädischen Klinik in Altentreptow ein künstliches Kniegelenk erhalten. Wie läuft das eigentlich alles ab in der Klinik? Wie lang ist der Aufenthalt im Krankenhaus?
Am ersten Tag in der Klinik werden Sie untersucht, der Narkosearzt wird mit Ihnen sprechen und der Arzt auf der Station klärt Sie über die Operation auf. Am nächsten Tag erfolgt der operative Eingriff. Der Krankenhausaufenthalt beträgt etwa zehn bis zwölf Tage. Dem schließt sich eine Rehabilitation in einer Kurklinik an, die in der Regel drei Wochen dauert. Zu der Reha und zur Auswahl der entsprechenden Klinik berät Sie eine Sozialarbeiterin im Krankenhaus.
Bei mir wurde der Innenmeniskus entfernt. Jetzt habe ich wieder Schmerzen am Knie. Muss ich mich mit 52 Jahren schon mit einer Knieprothese abfinden?
Patienten, denen der Innenmeniskus entfernt wurde, neigen zum Gelenkverschleiß. Denn der Meniskus ist so etwas wie ein Stoßdämpfer, der jetzt bei Ihnen fehlt. Für Patienten um die 50 gibt es aber durchaus noch Möglichkeiten, eine Vollprothese zu vermeiden beziehungsweise hinauszuzögern. So ist unter Umständen eine sogenannte Umstellungsosteotomie hilfreich, die operativ die Stellung der Knochen am Kniegelenk verändert. Auch kann eine „Schlittenprothese“ an der Innenseite eingesetzt werden, die wesentliche Teile des Knies unberührt lässt.
Ich habe vor sechs Jahren eine Hüftgelenk- und ein Jahr später eine Kniegelenkprothese erhalten. Trotzdem leide ich unter starken Schmerzen. Nur wenn ich liege, tut mir nichts weh. Ich bin gleichzeitig Diabetikerin, wiege 100 Kilogramm bei einer Größe von 1,68 Metern. Was kann ich tun gegen die Schmerzen?
Offensichtlich handelt es sich bei Ihnen um Überlastungsschmerzen. Ihnen ist dringend zu empfehlen, mindestens 10 Kilogramm abzunehmen. Überprüfen Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten, suchen Sie eine Ernährungsberatung auf. Möglich ist eine stationäre Vorsorgemaßnahme oder ein Funktionstraining am Heimatort. Das kann Ihr Arzt verordnen. Die Krankenkassen zahlen dafür entsprechend des Präventionsgesetzes.
Im Oktober 2007 wurde mir in einem kleineren Krankenhaus ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Nach der Operation kam es zu einer Infektion und ich musste ein zweites Mal operiert werden. Noch immer tritt Wundflüssigkeit aus. Wie wird nun die weitere Behandlung aussehen?
Vermutlich handelt es sich bei Ihnen um eine chronische Infektion. In dem Fall müsste dringend das Kunstgelenk entfernt werden. An seiner Stelle kann ein Platzhalter aus Knochenzement eingesetzt werden. Nach drei Monaten erfolgt noch einmal eine Punktion. Sind dann keine Bakterienmehr nachzuweisen, kann ein neues Kunstgelenk eingesetzt werden.
Stand 22.06.2008 (Quelle/Nordkurier: 01.02.2008)