Sektionen
Benutzerspezifische Werkzeuge
zertifiziert nach
Ausgezeichnet
 
start » gf » Archiv » Eingeengter Ellenbogennerv durchs „Schlüsselloch“ operiert

Eingeengter Ellenbogennerv durchs „Schlüsselloch“ operiert

NEUROCHIRURGIE Wenn Finger schmerzen, kann die Ursache auch beim „Musikantenknochen“ liegen. Ärzte nutzen eine schonende Behandlungsmethode. Ärzte nutzen eine schonende Behandlungsmethode. VON CORNELIA LANGBECKER

Eingeengter Ellenbogennerv durchs „Schlüsselloch“ operiert

Ein nur zwei Zentimeter kleiner Schnitt reicht für den Eingriff aus, um den unter Druck stehenden Nerv zu entlasten.

NEUBRANDENBURG. Den „Musikantenknochen“ hat sich wohl jeder schon mal gestoßen. Dieser empfindliche Punkt amEllenbogen ist allerdings gar kein Knochen und er verschafft auch kein musikalisches Erlebnis. Vielmehr einen elektrisierenden Schmerz.

Verursacht wird dieses heftige Missempfinden vom Ellennerv (Nervus ulnaris). Er verläuft am Ellenbogengelenk in einer recht engen, knöchernen Rinne, von Ärzten Sulcus genannt. Bedeckt wird der Nerv von einem straffen Bindegewebe.

Während der „summendeMusikantenknochen“ sich schnell wieder beruhigt, kann ständiger Druck auf diese Stelle zu einer Schädigung des Ellennervs führen. „Auch frühere Brüche oder Verschleißerkrankungen sind mögliche Ursachen für eine Nervenkompression, den Druck auf den Nerven“, erläutert Dr. Wilfried Schulz, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg.

Charakteristisch für das so genannte Sulcus ulnaris-Syndrom (Kubitaltunnel-Syndrom) sind Schmerzen und Missempfindungen. Betroffene klagen über ein Kribbeln und über Taubheit im Ring- und im Kleinfinger. „Hält die Druckschädigung des Nervs längere Zeit an, kann sie auch zur Lähmung und zumSchwund der Handmuskeln bis hin zur Ausbildung der ,Krallenhand‘ führen“, sagt der Neurochirurg.

Druckentlastung bringt eine Operation. Am Neubrandenburger Klinikum wird der unter Druck stehende Ellenbogennerv seit September 2008 durchs „Schlüsselloch“ operiert, also endoskopisch. „Eine Methode, die beim Sulcus ulnaris-Syndrom bisher nur an wenigen medizinischen Zentren angeboten wird, die aber für den Patienten von großem Vorteil ist“, sagt ChefarztWilfried Schulz.

Bei diesem Eingriff wird über einen etwa zwei Zentimeter kleinen Schnitt am Ellenbogen ein Endoskop eingeführt. Und zwar nicht in den Nervenkanal, sondern darüber. „So erhält der Operateur eine hervorragende Sicht“, sagt Dr. Schulz. Mit speziellen Instrumenten befreit der Neurochirurg dann den eingeschnürten Ellenbogennerv von Muskelfasern und Hüllschichten und mobilisiert ihn. Ein Verlegen des Nervus ulnaris sei nach neuen Erkenntnissen nicht erfor derlich, so der Arzt. Bei der bisher üblichen offenen Operation muss dagegen ein 12 bis 18 Zentimeter langer Hautschnitt zur Freilegung des Nervs vorgenommen werden, erläutert der Neurochirurg. Eine so große Narbe an der Innenseite des Ellenbogens könne schnell aufreißen oder andere Probleme bereiten.

Auch sei nach der offenen Operation zunächst eine Ruhigstellung des Arms erforderlich, anschließend Physiotherapie zur Mobilisierung. „Eine erheblich verkürzte Nachsorgephase, schnellere Erholung und rasche Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit“, fasst Dr. Wilfried Schulz die Vorteile der endoskopischen Dekompression des Ellenbogennervs für den Patienten zusammen. Und nicht zuletzt: Der sichtbare Unterschied zur bisherigen Methode ist die wesentlich kleinere Narbe.

Der minimal-invasive Eingriff erfolgt am Neubrandenburger Klinikum ambulant und unter Vollnarkose. Er dauert knapp eine halbe Stunde. „Danach sind die Patienten häufig schmerzfrei“, sagt Oberarzt Dr. Jamal Assaf. „Auch kehren Gefühl und Beweglichkeit meistens zurück.“ Bei zuvor starker Schädigung sei eine vollständige Erholung des Ellenbogennervs allerdings nicht zu erwarten. „Betroffene sollten sich darum rechtzeitig operieren lassen“, rät Dr. Assaf.

Stand 25.08.2011 Quelle: NK090602