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Kleine Operation kann die Lesebrille ersetzen

NEUBRANDENBURG / KLINIKUM (CL) ALTERSWEITSICHTIGKEIT Die Neubrandenburger Augenklinik beteiligt sich an einer internationalen Studie.

Menschen, die unter Altersweitsichtigkeit leiden, kann durch einen operativen Eingriff das oft lästige Auf und Absetzen einer Lesebrille erspart werden. Dazu werden Kunststoffplättchen ins Auge implantiert, wie der Chefarzt der Neubrandenburger Augenklinik Prof. Dr. Helmut Höh informierte.

Mit zunehmenden Alter verliert das Auge seine Fähigkeit, sich auf kurze Entfernungen ein zustellen. Das Anpassungsvermögen (Akkommodationsfähigkeit) lässt um das 45. Lebensjahr herum nach. Spätestens wenn der ausgestreckte Arm beim Lesen nicht mehr ausreicht, um Kleingedrucktes scharf zu erkennen, wird es Zeit für eine Lese-Brille. Doch an die Sehhilfen mögen sich viele nicht mehr gewöhnen, weiß der Neubrandenburger Augenarzt. Als besonders störend würden Betroffene das ständige Auf- und Absetzen empfinden, insbesondere dann, wenn sie zu vor nie eine Brille brauchten.

Mediziner können Abhilfe schaffen mit der vom amerikanischen Arzt und Physiker Ronald Schachar entwickelten Operationsmethode. „Das Auge muss da bei nicht eröffnet werden“, sagt Professor Höh. Vier winzige Plexiglas-Implantate werden unter örtlicher Betäubung in die Leder haut des Auges eingesetzt. Sie verstärken wieder die Zugwirkung von Muskelfasern, die zur Aufsteilung der Linse und damit zum Ausgleich der Alters-Weit sichtigkeit erforderlich sind. „Der Eingriff verändert nicht die Brechkraft, sondern unterstützt die Akkommodationsfähigkeit so, dass das Lesevermögen zu rückkehrt“, erläutert der Augenarzt. Von Vorteil sei, dass der Eingriff umkehrbar ist.

Seit zehn Jahren ist die Behandlungsmethode bei Alters weitsichtigkeit in Europa zuge lassen. Auch in Neubrandenburg wurden 1998 drei Patienten im Rahmen einer Studie operiert. „Doch bei zwei Operierten hielt die Wirkung nur ein halbes Jahr an“, sagt Professor Höh. Von weiteren Eingriffen habe die Klinik darum Abstand genommen. In zwischen hat eine amerikanische Firma sowohl das Implan tat als auch das Verfahren weiter entwickelt. „Widerhaken“ verhindern nun ein Verschieben der Implantate, was als Ursache der nachlassenden Wirkung an gesehen wird. Die Operation hat ihren Preis: 2500 Euro kostet der Eingriff in der Regel.

Nicht so für zwanzig Patienten über 40 Jahre, die im September und Oktober 2007 die Möglichkeit erhalten, sich kostenlos die winzigen Hilfsmittel implantieren zu lassen, Vor- und Nach untersuchungen eingeschlossen. Die Augenklinik am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum will sich nach Auskunft des Chefarztes an einer neuen internationalen Studie beteiligen und sucht Interessierte. Diese müssen außer der gesundheitlichen Eignung die Bereitschaft mitbringen, ein Jahr lang regelmäßig zu Nachkontrollen in die Klinik zu kommen. Die Sehschärfe der Studienteilnehmer sollte mindestens 80 Prozent betragen, bei Weit- oder Kurzsichtigkeit sollten 0,75 Dioptrien nicht über schritten werden. Nicht möglich ist die Operation bei Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma, Krebs und schweren Augenleiden sowie einer zu dünnen Lederhaut.

Wer sich für den Eingriff interessiert, kann sich an seinen Augenarzt oder die Neubrandenburger Augenklinik wenden, Tel.: 0395 7753475, E-Mail: aug@dbknb.de (Betreff: Refocus-Implantate)

Bild: Wenige Millimeter kleine Kunststoffplättchen werden in zuvor angelegte Tunnel in die Lederhaut eingesetzt und verankert ZEICHNUNG: REFOCUS

Stand 06.07.2008 (Quelle/Nordkurier: 10.09.2007)