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Mikroröhrchen kann Augenlicht retten

GLAUKOM Durch eine neue Operations-Methode lässt sich der Augeninnendruck sicherer senken.

Mikroröhrchen kann Augenlicht retten

Winzige Augen-Kanüle FOTO: AQUESYS

NEUBRANDENBURG (CL). Ein winziges Röhrchen, ins Auge eingesetzt, kann vor Erblindung schützen. Wissenschaftler in den USA haben Operations-Methoden im Kampf gegen den Grünen Star weiterentwickelt. Das neue Verfahren soll nun in einer internationalen Studie, an der sich auch die Augenklinik am DietrichBonhoeffer-Klinikum beteiligt, weiter getestet werden.

Der Grüne Star, von Ärzten Glaukom genannt, ist eine der häufigsten Erblindungsursachen in den westlichen Industrienationen. In Europa und den USA sind nahezu zwei Prozent aller Menschen über 40 Jahre daran erkrankt. In Deutschland leben nach Angaben des Initiativkreises zur Glaukomfrüherkennung etwa fünf Millionen Menschenmit einemGlaukomrisiko, rund 800 000 Deutsche sind bereits manifest erkrankt.

Als Hauptrisikofaktor für den „schleichenden Räuber des Sehens“ gilt ein erhöhter Augeninnendruck, der – ohne Therapie – den Sehnerv zerstört. Behandelt wird er zumeist mit Druck senkenden Tropfen, zum Beispiel Beta-Blockern. Wenn diese Medikamente nicht anschlagen, können Operation oder Laserbehandlung helfen, damit das Druck erzeugende Augenwasser abfließen kann. „Bis heute aber gibt es kein operatives Verfahren ohne unerwünschte Nebenwirkungen“, sagt der Chefarzt der Neubrandenburger Augenklinik Prof. Dr. Helmut Höh. Gelegentlich sei der Druck nach der Operation zu niedrig, das Sehvermögen dadurch eingeschränkt.

Das kann nun mit dem neuartigen winzigen Röhrchen und dessen Implantation verhindert werden. „Eingesetzt wird es mikroinvasiv, das heißt ohne Bindehaut-Öffnung durch die Vorderkammer hindurch“, erläutert Professor Höh. Dazu werde ein winziger Kanal unter die Bindehaut gebohrt. „Die Kanüle, über die das Röhrchen von innen eingeschoben wird, ist so klein, dass nach dem Eingriff der Augeninnendruck nicht so stark abfallen kann“, sagt der Arzt.

Weil der minimal-invasive Eingriff ohne größere Schnitte auskommt, eignet sich die Methode nach Angaben des Augen arztes besonders für Patienten mit einem erhöhten OP-Risiko zum Beispiel einer allgemeinen Blutungsneigung. Empfehlenswert sei sie auch für jene, die Augentropfen wegen einer Allergie oder wegen eines Trockenen Auges nicht vertragen oder mit dem Tropfen nicht zurechtkommen.

Die Neubrandenburger Augenklinik sucht nun zehn Patienten über 18 Jahre, die sich im Rahmen der Studie nach der neuen Methode behandeln lassen möchten. „Das Glaukom sollte noch nicht bis zum Endstadium fortgeschritten sein“, empfiehlt Professor Höh. Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie ist ein Augeninnendruck über 18 und unter 30 mmHg. Eine Glaukom-Operation darf bisher nicht erfolgt sein.

Interessenten können sich an ihren Augenarzt oder an die Augenklinik unter Tel. 0395 7753477 wenden.

Stand 06.07.2008 (Quelle/Nordkurier: 08.10.2007)