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"Sandkörner“ in den Augen

TRÄNENMANGEL Computer-Arbeiter sollten am Monitor öfter mal bewusst blinzeln. Das kann dem Austrocknen von Horn- und Bindehaut vorbeugen.

"Sandkörner“ in den Augen

Zugluft, Tabakrauch und Bildschirmarbeit - unsere Augen müssen viel aushalten.

VON CORNELIA LANGBECKER:Einige Stunden am Bildschirm und die Augen brennen. Jeder Lidschlag fühlt sich an, als ob Sandkörner im Auge reiben. Dies sind Anzeichen des häufigsten Augenleidens, der Keratoconjunctivitis sicca, dem Trockenen Auge. Nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte in Deutschland (BVA) sind zwölf Millionen Bundesbürger betroffen.

Trockene Luft in beheizten und klimatisierten Räumen nennt Prof. Dr. Helmut Höh, Chefarzt der Augenklinik am Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum, als eine der Ursachen für die Erkrankung. Auch ein Aufenthalt im Freien bei trockener eiskalter Winterluft könne die Probleme mit dem Tränenfilmverstärken.

Der wird bei einem Trockenen Auge entweder nicht ausreichend oder in falscher Zusammensetzung produziert oder er verdunstet zu schnell, so dass Bindehaut und Hornhaut nicht ausreichend befeuchtet und ernährt werden. „Und obwohl manchmal die Tränen heftig fließen, kommt es zu einer Benetzungsstörung, dem Trockenen Auge“, erläutert Professor Höh.

Der gesunde Tränenfilm besteht aus drei Schichten: Die innere Schleimschicht sorgt dafür, dass der Tränenfilm auf der Horn- und Bindehaut haftet. Die mittlere wässrige Schicht enthält keimtötende Substanzen. Die Lipidschicht obenauf verhindert ein zu schnelles Verdunsten der Flüssigkeit im Auge. „Durch Tabakrauch wird diese Schicht aber oftmals schnell aufgelöst“, nennt der Augenarzt eine weitere und vermeidbare Ursache der Probleme. Auch durch Medikamente wie Betablocker, Antiallergika und Antidepressiva, durch Hormonumstellungen während der Wechseljahre und Konservierungsstoffe in Augentropfen könne es zu einer Störung des Tränenfilms kommen.

Bildschirmarbeit lässt die Augen oft stärker „austrocknen“, weil die Frequenz des Lidschlags herabgesetzt ist. In der Regel erneuert ein Lidschlag alle fünf bis zehn Sekunden den Tränenfilm. Bei hoher Konzentration am Monitor wird im Extremfall nur noch einmal in der Minute geblinzelt, haben Untersuchungen ergeben. Der schützende Tränenfilm reißt dann auf. „Öfter mal bewusst blinzeln“, rät der Augenarzt allen Computer-Arbeitern.

Die Tränenproduktion lässt mit zunehmendem Alter nach. Sie kann aber auch durch Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom und rheumatoide Arthritis oder als Folge von Chemo- und Strahlentherapie reduziert sein. Nicht zuletzt ist die Benetzungsstörung manchmal eine Nebenwirkung von LASIK-Operationen zur Sehfehlerkorrektur.

Erste Hilfe für Trockene Augen gibt es frei verkäuflich in der Apotheke oder beim Augenarzt: Tränenersatzmittel in unterschiedlicher Zusammensetzung und mit individuell unterschiedlicher Verträglichkeit. Wer über brennende, gerötete und trockene Augen klagt, sollte aber immer zunächst einen Augenarzt aufsuchen. Dem stehen verschiedene Diagnostik-Methoden zur Verfügung. „So ist beispielsweise eine Bindehautfalte parallel zur Lidkante ein Hinweis auf das Trockene Auge“, erläutert Professor Höh. Ein Forschungsteam, dem er angehörte, hat das vor 20 Jahren herausgefunden und den heute bekannten LIPCOF-Test entwickelt. „Diese einfache Blickdiagnose an der Spaltlampe hat bei uns den oft unangenehmen Schirmer-Test mit Papierstreifen im Auge abgelöst“, sagt der Chefarzt der Augenklinik. „Vor allem aber ist es wichtig abzuklären, ob sich hinter dem roten Auge nicht ein anderes Leiden verbirgt“, so Professor Höh. Außerdem: Auch ein Trockenes Auge kann im schlimmsten Fall durch eine Infektion der Hornhaut zur Erblindung führen. Neben „künstlichen Tränen“ ist bei Entzündungen eine Kortison- oder Antibiotika-Therapie des Trockenen Auges erforderlich. Bei ausgeprägtem Tränenmangel kann der Augenarzt die kleinen Öffnungen der ableitenden Tränenkanäle mit einem Stöpsel verschließen.

Nur schwere Erkrankungen, wie Hornhautgeschwüre, werden in der Klinik behandelt. „Bewährt hat sich dabei die Eigenserumtherapie“, sagt Professor Höh. Das aus dem Blut des Patienten gewonnene Präparat enthalte wichtige Wachstumsfaktoren zur Reparatur der defekten Hornhaut.

Kontaktlinsen, die eigentlich im Tränenfilm „schwimmen“ müssen, sind für das Trockene Auge nicht zwangsläufig ein Tabu. Betroffene können sie unter ärztlicher Kontrolle durchaus tragen, so Professor Höh, der im Frühjahr eine bundesweite Fachtagung des Berufsverbandes der Augenärzte zum Thema „Kontaktlinsen und Trockenes Auge“ mitgestalten wird.

Stand 26.01.2009