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Winzige Implantate können Lesebrille ersetzen

NEUBRANDENBURG (CL). Menschen, die unter Altersweitsichtigkeit leiden, kann durch einen operativen Eingriff das oft lästige Auf- und Absetzen einer Lesebrille erspart werden.

Mit zunehmendem Alter verliert das Auge seine Fähigkeit, sich auf kurze Entfernungen einzustellen. Das Anpassungsvermögen (Akkommodationsfähigkeit) lässt um das 45. Lebensjahr herumnach. Doch an die Lesebrille mögen sich viele nicht mehr gewöhnen. Abhilfe kann eine vom amerikanischen Arzt Ronald Schachar entwickelte Operationsmethode bringen. „Das Auge muss dabei nicht eröffnet werden“, sagt Prof. Dr. Helmut Höh, Chefarzt der Augenklinik am Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Vier winzige Plexiglas-Implantate werden unter örtlicher Betäubung in die Lederhaut des Auges eingesetzt.

Sie verstärken wieder die Zugwirkung von Muskelfasern, die zur Aufsteilung der Linse und damit zum Ausgleich der Altersweitsichtigkeit erforderlich sind.

„Der Eingriff verändert nicht die Brechkraft für die Ferne, sondern unterstützt die Akkommodationsfähigkeit“, erläutert der Augenarzt. Von Vorteil sei, dass der Eingriff umkehrbar ist.

Seit gut zehn Jahren ist diese Operationsmethode gegen Altersweitsichtigkeit in Europa zugelassen. Weiterentwickelt wurden inzwischen die Implantate. Sie stehen im Mittelpunkt einer internationalen Studie, an der sich auch die Neubrandenburger Augenklinik beteiligt (wir berichteten).

25 Patienten konnten in diesem Rahmen die winzigen Hilfsmittel bereits implantiert werden. Inzwischen sind die Daten der Einjahres-Nachuntersuchung von den ersten zwölf Patienten ausgewertet. Lediglich bei zwei Operierten ist nach Auskunft von Professor Höh kein Nah-Lese-Effekt eingetreten.

„Alle anderen haben diesen am stärksten zwischen dem dritten und sechsten Monat nach der Operation verspürt.

Bei etwa der Hälfte der Patienten hat er dann bis zu einem Jahr etwas abgenommen, bei der anderen Hälfte ist er stabil geblieben“, erläutert der Arzt. Einige Patienten kämen jetzt völlig ohne Lesebrille aus, andere würden sie nur bei längerem Lesen benötigen.

Die Neubrandenburger Augenärzte können im Rahmen der Studie jetzt weitere Patienten kostenlos behandeln. „Eine Voruntersuchung ist dazu wie vor jeder Operation erforderlich“, sagt Professor Höh. Die vorgegebenen Ausschlusskriterien seien sehr streng. So sollte die Sehschärfe der Teilnehmer mindestens 80 Prozent betragen, bei Weit- oder Kurzsichtigkeit sollten 0,75 Dioptrien nicht überschritten werden. Nicht möglich sei die Operation bei schweren Erkrankungen sowie einer zu dünnen Lederhaut.

Wer sich für den Eingriff interessiert, kann sich an die Klinik wenden. Noch im März sollen weitere Operationen erfolgen.

Kontakte:
Tel. 0395 7753475
E-Mail: aug@dbknb.de (Betreffzeile: Refocus-Implantate)
Stand 25.08.2011