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Keine Alternative zur Darmspiegelung

Keine Alternative zur Darmspiegelung

Dr. Thomas Thomsen (links), Dr. Silvia Pilke und Prof. Dr. Ernst gestern am Lesertelefon FOTO: HEIKO BROSIN

Mit 45 Jahren wurde bei mir wegen Blutungen eine Darmspiegelung vorgenommen, die ich als unangenehm empfand. Polypen wurden nicht entdeckt. Ich bin jetzt 50. Wann sollte ich erneut zur Darmspiegelung? Oder gibt es Alternativen?
Die nächste Untersuchung sollte bei Ihnen mit 55 Jahren erfolgen. Die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, ist die effektivste Methode zur Diagnostik und zur Entfernung von kleinen Darmpolypen. Der Arzt kann Ihnen eine Teilnarkose geben, damit Sie während der Untersuchung schlafen. Fragen Sie Ihren Arzt vor der nächsten Darmspiegelung danach.

Andere Untersuchungsmethoden sind die virtuelle Koloskopie, also eine spezielle Röntgenuntersuchung, und die sogenannte Kapselendoskopie, bei der der Patient eine Mini-Kamera schluckt, die dann Bilder aus dem Darm sendet. Wird bei den Untersuchungen jedoch ein Polyp entdeckt, muss danach trotzdem eine Spiegelung erfolgen. Diese beiden Methoden, die von den Krankenkassen nicht bezahlt werden, sind also keine wirkliche Alternative zur Koloskopie.

Meine Mutter ist bereits 89 Jahre alt und noch ganz gut drauf. Bei ihr wurde Darmkrebs festgestellt. Sollte man ihr in diesem Alter noch eine Operation zumuten?
Das Alter ist kein Grund, die Operation abzulehnen, wenn der Patient noch in einem guten biologischen Zustand ist. Dank moderner Intensivmedizin können heute auch ältere Menschen so einen Eingriff gut überstehen.
Muss ich zur Spiegelung unbedingt ins Krankenhaus? Reicht der Stuhltest nicht als Vorsorgeuntersuchung aus?
Er ist nur zu 30 Prozent aussagekräftig. Die Darmspiegelung ist darum dringend zu empfehlen. Dazu müssen Sie nicht unbedingt in ein Krankenhaus. Die VorsorgeKoloskopie wird überwiegend in Arztpraxen von niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Eine Praxisgebühr fällt dafür nicht an. Günstig ist es, wenn Sie für die Untersuchung eine Überweisung vom Hausarzt, behandelnden Gynäkologen oder Urologen haben. Jeder Darmkrebsuntersuchung geht ein ausführliches Aufklärungsgespräch voraus. Dabei erhalten Sie auch Informationen zur Darmreinigung, die vor der Untersuchung erforderlich ist und durch Trinken und abführende Spüllösungen erfolgt.
Vor über 20 Jahren wurden bei mir Darmpolypen entfernt. Jetzt leide ich ständig unter Durchfall. Was kann ich tun?
Sie sollten unbedingt Ihren Hausarzt aufsuchen, der sie zu einer Koloskopie überweisen wird.
Ich habe Angst vor der Darmspiegelung. Bekannte erzählten mir, dass die Untersuchung schmerzhaft ist …
Das muss nicht sein. Begleitend kann zur Darmspiegelung ein Beruhigungsmittel gegeben werden, gegebenenfalls kombiniert mit einem Schmerzmittel. Dann bringt die Untersuchung keine weiteren Unannehmlichkeiten für Sie. 42 Prozent der Anspruchsberechtigten nutzen übrigens bereits die Vorsorge-Koloskopie.
Ich nehme regelmäßig Säureblocker wegen Sodbrennen und Betablocker wegen Bluthochdruck. Seit Monaten leide ich unter Durchfall. Können die Medikamente dafür die Ursache sein?
Nein, die Medikamente verursachen eher Verstopfungen. Zur Abklärung Ihrer gesundheitlichen Probleme und zum Ausschluss von Darmkrebs ist eine Darmspiegelung zu empfehlen, bei der eine Gewebeprobe entnommen werden kann.
Bei meiner letzten Koloskopie konnte der Darm nicht vollständig untersucht werden, weil die Gerätelänge bei der linken Darmkurve bereits aufgebraucht war. Reichen Röntgenuntersuchung und Stuhltest aus, um den Restdarm zu beurteilen?
Besser ist es, auch den Restdarm mittels Koloskopie zu untersuchen. Diese Methode stellt nach wie vor den Goldstandard zur Diagnostik des Darms dar, weil dabei feinste Schleimhautveränderungen entdeckt und gleich entfernt werden können. In der Regel kann mit den gebräuchlichen 1,6 Meter langen Geräten auch jeder Darm untersucht werden. Für die Ausnahmefälle gibt es in speziellen medizinischen Zentren – wie dem Klinikum Neubrandenburg – Geräte mit Überlänge, mit denen die Untersuchung problemlos möglich ist.
Ich bin 47 Jahre alt. In diesem Alter ist mein Onkel einst an Darmkrebs verstorben. Auch mein Vater und Großvater starben an Darmkrebs. Ich selbst habe hin und wieder Beschwerden. Was empfehlen Sie mir?
Eine familiäre Krebsbelastung ist bekannt. Möglicherweise ist Darmkrebs genetisch bedingt. Sie sollten sobald wie möglich eine Darmspiegelung vornehmen lassen. Zusätzlich sind eine Ultraschallund eine frauenärztliche Untersuchung sowie eine genetische Untersuchung empfehlenswert, für die der Hausarzt einen Bluttest veranlassen kann.
Vor drei Jahren wurde ich wegen Divertikel, Darmausbuchtungen, operiert. Eigentlich müsste ich zur Nachuntersuchung. Doch ich habe Angst, die Operationsnähte halten nicht …
Ihre Angst ist unbegründet. Vierzehn Tage nach einer Operation sind die Nähte belastungsstabil für eine Spiegelung.
Ich habe Probleme mit dem Stuhlgang und weiß, dass Divertikel die Ursache sind. Nun habe ich mir ein Mittel zur Nahrungsergänzung gekauft, das in der Fernsehwerbung empfohlen wurde. Was kann ich noch tun?
Sehr zu empfehlen sind als Ballaststoffe pflanzliche Produkte aus indischer Flohsamenschale. Fragen Sie Ihren Apotheker danach. Außerdem sollten Sie möglichst 1,5 bis 2 Liter täglich trinken. Divertikel bedeuten übrigens kein erhöhtes Darmkrebsrisiko.
Wie oft sollte ich zur Vorsorgekoloskopie gehen?
Erstmals ab 55. Lebensjahr zahlen Krankenkassen für diese Untersuchung. Bei unauffälligem Befund ist nach zehn Jahren eine weitere Vorsorgeuntersuchung zu empfehlen. Sind Polypen entdeckt worden, sollte die Koloskopie abhängig von der Größe der Polypen nach drei bis fünf Jahren erfolgen. Jederzeit ist diese Untersuchung aber möglich bei Durchfall, Blut im Stuhl oder Bauchschmerzen.
Mein Mann starb mit 59 Jahren an Darmkrebs. Ich mache mir Sorgen um meine Kinder. Was können sie vorsorglich tun?
Kinder von Darmkrebspatienten sollten bereits zehn Jahre vor dem Alter, in dem Vater oder Mutter erkrankten, zu einer Darmspiegelung gehen. Für Ihre Kinder wäre es also im Alter von 49 Jahren.
Wegen des möglichen Verletzungsrisikos bei einer Darmspiegelung suche ich nach Alternativen. Was empfehlen Sie mir?
Die Risiken bei einer Darmspiegelung sind extrem gering. Sollte es dennoch zu einer Perforation kommen, kann diese sofort und gut behandelt werden. Andere Untersuchungsmethoden sind zum Beispiel die virtuelle Koloskopie oder das Colon-Röntgen. Aber kleine Veränderungen der Darmschleimhaut unter 0,5 Millimeter oder flache Veränderungen können dabei nicht erfasst werden. Außerdem bringen diese Untersuchungen eine Strahlenbelastung mit sich. Die Kapselendoskopie erlaubt nur die Darstellung, nicht aber die Entfernung von Polypen.

Weitere Informationen gibt es während der Veranstaltung „Darmkrebsvorsorge – die große Herausforderunng“, zu der das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum am 24. März 2010 von 19 bis 21 Uhr in die Bethesda-Klinik einlädt.

Stand 21.03.2010 Quelle: NK100304