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"Willkommen Baby“ hilft beim optimalen Start

Am evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg ist gestern ein landesweites Vorsorgeprojekt gegen Frühgeburten gestartet worden.

Ziel sei es, die Schwangerschaftsbetreuung zu verbessern und damit die Frühgeburtenrate in Mecklenburg-Vorpommern spürbar zu senken, teilte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) mit. Die DAK hat das Projekt gemeinsam mit dem Landesverband der Frauenärzte, der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Klinikuminitiiert. InMecklenburg-Vorpommern kamen den Angaben zufolge allein im Jahr 2008 von rund 13.000 Kindern über 1.000 zu früh zur Welt. Lebenslange körperliche und seelische Schäden seien bei fast 60 Prozent der Fälle die Folge. Über 300 Schwangere hätten sich bereits für eine Behandlung durch das Spezialistennetzwerk entschieden, hieß es.

Mehr Vorsorge für weniger Frühchen

Rund 100 Frühgeborene kommen jährlich im Klinikum zur Welt. Ein neues Vorsorgeprojekt soll die Frühchen-Rate senken.

VON ANKE BRAUNS NEUBRANDENBURG. Als Melody vor drei Tagen im Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum zurWelt kam, wog sie gerade 1125 Gramm. Jetzt liegt sie fürsorglich betreut auf der Frühchen-Station. So wie Melody haben heute die meisten Frühgeborenen gute Chancen auf ein normales Leben. Trotzdem ist ein Frühchen immer mit großen Belastungen für die Familien verbunden und hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit körperlicher oder geistiger Behinderungen. Nicht zuletzt sind Therapien und Behandlungen teuer – bis zu 50 000 Euro Krankenhauskosten können allein für Geburt und nachfolgende Versorgung schnell zusammen kommen. Die DAK des Landes hat deshalb das Vorsorgeprojekt „Willkommen Baby“ gestartet, um die Zahl der Frühgeburten zu verringern.

Grundlage sind Versorgungsverträge mit dem Landesverband der Frauenärzte, der Kassenärztlichen Vereinigung und Krankenhäusern. Auch mit dem Neubrandenburger Klinikum, wo das Vorsorgekonzept gestern vorgestellt wurde und begeistert aufgenommen wird. „Es ist ganz dringend notwendig, dass hier was getan wird“, betonte Professor Dr. Roland Sudik, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Denn „trotz aller Möglichkeiten der modernen Medizin“ sei es bisher nicht gelungen, die Frühgeburtenrate zu senken. Sie liegt durchschnittlich bei sieben bis acht Prozent, im Klinikum als Schwerpunktkrankenhaus auf diesem Gebiet aber höher. Auf die rund 900 Geburten pro Jahr kommen hier „knapp um die 100 Frühgeborenen“, sagte Professor Dr. Hans-Joachim Feickert, Chefarzt der Kinderklinik.

Da vaginale Infektionen häufigste Ursache von Frühgeburten sind, bekommen die Schwangeren kostenlos Testhandschuhe zur regelmäßigen pH-Wert-Bestimmung, um die Infektionsgefahr zu senken. In einem ausführlichen Gespräch mit dem Frauenarzt und mit Hilfe eines Fragebogens sollen Risikofaktoren rechtzeitig erkannt undmöglichst ausgeschaltet werden – zum Beispiel Rauchen. Durch einen Blutzuckertest wird zudem Schwangerschafts-Diabetes früh erkannt. Eine zusätzliche Ultraschall-Untersuchung und bei Bedarf Vermittlung an spezialisierte Kliniken gehören ebenfalls zumPaket, das auf ein Netzwerk von Spezialisten aufbaut.

Seit Jahresbeginn können alle DAK-versicherten Schwangeren das Vorsorgeprojekt in Anspruch nehmen, „das sonst nur Privatpatienten zusteht“, so DAK-Vertragschefin Sabine Hansen. Vielleicht sei das auch eine Initialzündung für andere Krankenkassen, hofft Fridjof Matuszewski vom Landesverband der Frauenärzte. Er hofft, dass der Vertrag noch erweitert werden kann. Über 50 Prozent der Frauenärzte arbeiten schon im Projekt mit. Die Neubrandenburgerin Anja Schubert ist eine von rund 300 Schwangeren im Land, die die erweiterte Vorsorge bereits nutzen. Sie fühle sich viel besser betreut und auch „besser einbezogen“, sagte sie.

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Gut umsorgt von Schwester Ines Wiechert: Die kleine Melody ist vor drei Tagen mit 1.125 Gramm Gewicht zur Welt gekommen und liegt auf der Frühgeborenen-Station des Klinikums. FOTO: A. BRAUNS

Mehr Infos unter: www.willkommenbaby.dak.de

Stand 16.05.2010 Quelle: NK100512