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Gesucht: Freiwillige mit Muckis und Mut

Neue Wege bei der Nachwuchsgewinnung geht das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Den jungen Teilnehmern an Freiwilligendiensten sollen medizinische und Pflegeberufe schmackhaft gemacht werden.

NEUBRANDENBURG. Ganze vier Stellen kann das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum zurzeit mit Freiwilligen besetzen. Acht bis zehn Bewerbungen gab es für vakante Stellen im Rahmen des vor zwei Jahren aufgelegten Bundesfreiwilligen Dienstes (Bufdi) in ihrem Krankenhaus, liest Pflegedirektorin Hannelore Kreibeck aus ihrer Statistik. „Wir vermissen die Zivildienstleistenden schon sehr“, resümiert sie die Zeit nach der Abschaffung von Wehrpflicht und des seit 1972 angebotenen Zivildienstes durch die Bundesregierung im Jahre 2011. Als vor zwei Jahren bundesweit das Ende der Zivis nahte und der Startschuss zum Bundesfreiwilligendienst gegeben wurde, plante die Politik mit einem Potenzial von 35 000 Stellen in pädagogischen, sozialen oder medizinischen Einrichtungen. Ergänzt durch ebenso viele Stellen im Rahmen von Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahren. Damit sollten 90 000 wegfallende Zivildienststellen aufgefangen werden. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) warb mit einer „neuen Kultur der Freiwilligkeit“. „Vor allem im internen Patiententransport, auch als kraftvolle Hilfe bei der Körperpflege von Kranken für die Schwestern – einfach bei sehr vielen körperlich schweren Tätigkeiten – fehlen uns die Zivis sehr“, bedauert die Neubrandenburger Pflegedienst-Chefin. Und es gibt noch eine andere Negativ-Wirkung nach der Abschaffung des zivilen Pflichtdienstes – insbesondere für junge Männer. „Für viele war die Arbeit bei uns eine eindeutige Hilfe bei der Berufsorientierung“, erinnert sich Hannelore Kreibeck. So mancher Schulabgänger oder Studienanwärter entschied sich während seines Dienstes am Krankenbett für oder manchmal auch gegen einen medizinischen Beruf. „Die jungen Leute konnten den Berufsalltag von Medizinern und Pflegekräften und Therapeuten in allen seinen Facetten erleben“, sagt die Diplom-Krankenschwester Kreibeck. So ein tiefer und ungeschönter Einblick habe Sicherheit auf beiden Seiten gebracht. Beim potenziellen Bewerber und beim Klinikum. Die Zivi-Zeit sei ausreichend gewesen für eine wohlüberlegte Entscheidung zum medizinischen Beruf, so die Neubrandenburger Pflegedirektorin. Nach der Wende sei man einst mit 50 Zivis gestartet, erinnert sie sich gut. In den vergangenen Jahren waren es 20 bis 25, die auf unterschiedlichsten Stationen, im OP, beim Patiententransport oder in der Apotheke halfen. Im Rahmen des Zivi-Ersatz-Dienstes Bufdi bewerben sich bei ihr aber vorwiegend ältere Langzeitarbeitslose mit der Hoffnung auf eine spätere Übernahme und Festanstellung. Die Motivlage bei den jungen Leuten, einen medizinischen oder Pflegeberuf fürs Leben zu ergreifen, sei da ganz anders, schätzt Hannelore Kreibeck nach ihren Erfahrungen mit dem Bundesfreiwilligen-Dienst ein. Das Klinikum will nun aus der Not eine Tugend machen. Mit einem eigenen Angebot für den Freiwilligendienst, der zugleich der Gewinnung von Berufs-Nachwuchs dienen soll, will das Krankenhaus mit Standorten in Neubrandenburg, Altentreptow und Malchin auf Schulabgänger dieses Jahrgangs zugehen. Ab September werden fünf ÜfA-Stellen angeboten. ÜfA steht für Überbrückungsjahr für Abiturienten. Die Schulabgänger mit einem frischen Abi in der Tasche, bekämen so neun oder 12 Monate Gelegenheit, tiefe Einblicke in den Medizinberuf zu bekommen. „Die jungen Leute können – wie früher als Zivi – ihren Berufswunsch als Arzt, Krankenpfleger, Psychologe oder Laborant austesten“, beschreibt Hannelore Kreibeck die Vorteile für die jungen Leute. Das Klinikum wiederum bindet Potenzial für das Personal der Zukunft nachhaltig an das Haus. Nicht nur durch die 600 Euro Vergütung in dem Jahr zwischen Abi und Lehr- oder Studienbeginn. Nicht zuletzt unterstützt das Dietrich Bonhoeffer Klinikum seine Anwärter für den Pflegedienst bei einem praxisnahen dualen Studiengang. Die Vorteile einer solch langfristigen Verbindung wird auch Regina Neufeld in Anspruch nehmen. Die 20-jährige Neubrandenburgerin überbrückt seit eineinhalb Jahren mit einer Arbeit auf der Palliativstation des Klinikums die Zeit bis zum Studium. Nach dem Abitur wollte die junge Frau eigentlich Musiktherapeutin werden. Doch in der Zeit auf der Stationund in der Arbeit mit Schwerstkranken und Sterbenden, haben sich ihre Lebens- und Berufspläne gewandelt. Bei ihr war es ein Freiwilliges Soziales Jahr, dem sie nun noch sechs Monate als Hilfspflegerin dranhängt. Ihr Wunschstudium an der Hochschule Neubrandenburg ist heute ein dualer Studiengang „Pflegewissenschaft/Pflegemanagement“ in Kooperation zwischen Klinikum, Beruflicher Schule und Hochschule. Und der wird nur aller zwei Jahre in der Viertorestadt angeboten. Regina ist froh, „dass ich das hier machen durfte“. Ihr Berufswunsch habe sich zwar verändert, wurde aber dann sehr bekräftigt. Der Weg für die entsprechende akademische Ausbildung und auch für einen weiterführenden Master-Anschluss wird seitens des Klinikums unterstützt. Für beide Seiten von Vorteil: Regina behält über die gesamte Studienzeit einen engen Bezug zum Klinikalltag. Und sie wird auch die Chance bekommen, für ihr Studium in der Klinik und für die Klinik ihre wissenschaftlichen Erfahrungen zu sammeln. Ab September könnten sich fünf weitere interessierte junge Menschen aus der Region auf einen vergleichbaren Berufsweg begeben. Das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum hält Ausschau nach nachhaltigem Nachwuchs und wirbt: Her mit den Freiwilligen!

Ralph Schipke

Stand 28.02.2013