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Ich bin mit Herz und Seele dabei

ABSCHIED Dr. Wolf-Diethard Pietruschka tritt als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren ab.

Ich bin mit Herz und Seele dabei

Die administrativen Aufgaben gibt Dr.Wolf-Diethard Pietruschka zwar ab. Um seine Patienten will er sich aber weiter kümmern. 25 Jahre hat er als Ärztlicher Direktor das Bonhoeffer-Klinikum geprägt.

VON INGMAR NEHLS NEUBRANDENBURG. Beinahe wäre der Erfurter gar nicht Humanmediziner geworden. „Günstige Winde kann nur der nutzen, der weiß wohin er will“, dieser Ausspruch von Oscar Wilde steht auf einem maritimen Bild an der Wand vor Dr. Wolf-Diethard Pietruschkas Büro. Wenn es in der DDR mehr Studienplätze für Tierärzte gegeben hätte, dann säße der Mediziner heute wohl nicht in dem Arbeitszimmer, das vor lauter Fachbüchern fast überzuquellen droht.

„Meine Großeltern hatten eine Landwirtschaft. Ich wollte ursprünglich Tierarzt werden. Aber manchmal ist man durch die Umstände gezwungen, einen anderen Weg zu gehen“, sagt der langjährige Ärztliche Direktor des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums. An seinen ersten Arbeitstag in Neubrandenburg am 1. Juli 1987 habe er keine besonderen Erinnerungen, wohl aber an die Tage davor, als es um die Entscheidung ging, in Dresden oder in Neubrandenburg anzufangen. „Ich kannte diese Region als Tramper und von Ernteeinsätzen. Im Gegensatz zu Mitteldeutschland, wo die Natur doch sehr geschändet wurde, war das hier eine Oase“, sagt Pietruschka. Aber nicht nur die schöne Natur zog ihn her sondern auch der akademische Hintergrund und die Perspektiven, die das damals hochmoderne Bezirkskrankenhaus bot. Mit gerade einmal 41 Jahren übernahmPietruschka das Steuer in einer überaus stürmischen Zeit.

„Hinter der schönen Fassade gab es viele Engpässe im personellen und materiellen Bereich. Viel Fachkompetenz ging weg. Als dann die Wende kam, stellte sich die Frage, wie es mit diesem Haus weitergehen soll. In den Alt-Bundesländern gab es ganz andere Strukturen“, erzählt Pietruschka. Der gebürtige Erfurter suchte Mitstreiter für das jetzige Ärztehaus. „So ein Vorhaben galt als nicht machbar. Wir haben das Gegenteil bewiesen. Es ist vortrefflich gelungen“, sagt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 2. Große Kraft habe es auch gekostet, die Zerschlagung der Klinik in zwei Häuser zu verhindern.

„Dann galt es auch, die Innere Medizin als ganzes zu entwickeln und Kompetenzen wie die Rheumatologie, die Palliativmedizin, die Geriatrie und die Pulmologie und Beatmungsmedizin ranzuholen, um im Wettbewerb zu bestehen“, sagt Pietruschka. Seine eigene Geschichte spart der Mann im weißen Kittel aus, als sei sie nicht wichtig genug. Pietruschka erzählt von der Privatisierung der Klinik, von Kollegen, die bei den Visionen mitgingen. „Ideen sind nur eine Seite. Mitstreiter muss man suchen, festhalten, fördern und begeistern“, sagt er. Dann spricht Pietruschka davon, dass Spezialisten aus den eigenen Reihen entwickelt werden müssen. Nach Abschied klingt das nicht.

„Nach 25 Jahren ist man mit Herz und Seele dabei, lebt mit diesem Haus. So lange es geht, werde ich meine Tumorsprechstunde weitermachen“, sagt Pietruschka. Immer wenn er am Patientenbett stand, sei es eher Erholung gewesen. Dass er die Last der administrativen Verantwortung an seinen Kollegen Dr. Johannes Hallauer abgeben könne und nun nur noch für die Patienten da ist, sei eine Befreiung. Den weißen Kittel wird der Wahlmecklenburger also wohl noch länger tragen.

Stand 06.09.2011 Quelle: NK110831