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Pfleger können Aufgaben nicht übernehmen

Am 1. Februar begannen im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum (DBK) die letzten Zivis ihren Dienst, bevor Anfang Juli die Wehrpflicht ausgesetzt wird. Ein einschneidendes Datum für das DBK, das bereits seit 20 Jahren auf die meisten Zivildienstleistenden der Stadt baut. Über die Aufgaben der Zivis und die anstehenden Veränderungen sprachen Ingmar Nehls und Anne Dietrich mit Hannelore Kreibeck, Pflegedirektorin des Krankenhauses.

Pfleger können Aufgaben nicht übernehmen

H. Kreibeck

Am 1. Juli wird die Wehrpflicht ausgesetzt und damit auch der Zivildienst. Wie stellt sich das Klinikum auf die Veränderung ein? Durch wen soll die Lücke der momentan 23 Zivis in ihrem Haus geschlossen werden?
Mit dieser Frage setzen wir uns gerade intensiv auseinander. Es gibt zwei Überlegungen. Erstens, dass wir alles, was bisher die Zivildienstleistenden geleistet haben, mit festangestellten Hilfskräften besetzen. Das hätte aber ganz erhebliche finanzielle Auswirkungen. Günstiger wäre, wenn wir über den neuen Freiwilligendienst zumindest teilweise den Patiententransport und die Hilfe im OP absichern können. Nur gibt es dazu noch keine konkreten Informationen von der Bundesregierung. Wir wissen weder, wie die Zuteilung aussehen soll noch die Bezahlung. Diese Planungsunsicherheit ist ein Problem, denn die Versorgung muss abgesichert sein. Klar ist, dass wir unsere Schwestern und Pfleger die Aufgaben nicht zusätzlich übernehmen lassen können.
Für welche Tätigkeiten werden die Zivis im Klinikum eingesetzt?
Beispielsweise für die Betreuung auf Station: Dort leisten sie gemeinsam mit den Krankenschwestern und -pflegern die Grundpflege, helfen beim Toilettengang oder dem Einnehmen von Speisen. Sie sind auch für den Patiententransport innerhalb des Hauses zuständig. Die Patienten, die nicht mehr laufen können, werden im Bett oder Rollstuhl zum Röntgen, dem CT oder MRT gefahren. Einige Zivis unterstützen außerdem das Personal im OP, nehmen Patienten entgegen und lagern sie um.
Hat es bereits Veränderungen bei den Einsatzmöglichkeiten der Zivis durch die Verkürzung des Dienstes von zuerst zwölf auf neun und schließlich sechs Monate gegeben?
Da hat sich nichts verändert. Hauptsächlich deshalb, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass die Zivildienstleistenden, die gerne bei uns sind – und das ist der überwiegende Teil – ihre Zeit verlängern. Ansonsten würde es sich allerdings nicht lohnen, die Zivildienstleistenden für die Arbeit im OP anzulernen.
Neben dem Zivildienst gibt es derzeit bereits eine Art Freiwilligendienst mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ)?
Ja, das stimmt. Wir haben 17 FSJler. Der Gesetzgeber schreibt aber vor, dass diese nicht im Schichtdienst arbeiten dürfen. Das schränkt das Tätigkeitsfeld natürlich ein. Ich hoffe, dass sich das beim neuen Freiwilligendienst ändern wird. Natürlich nicht für 16-Jährige, aber warum sollten 18-Jährige nicht in Schichten arbeiten dürfen? Das FSJ wird hauptsächlich aber von jungen Mädchen besetzt und denen können wir den Patiententransport körperlich kaum zumuten.
Sie bräuchten also weiterhin junge Männer für den Freiwilligendienst. Wie wird das DBK in Zukunft um sie werben?
So ähnlich wie wir das beim FSJ bisher bereits tun: Wir werden in die Schulen gehen und dort auf die berufsvorbereitenden Funktionen hinweisen. Die Zeit im Klinikum hilft, sich darüber klar zu werden, ob man ein Leben lang in diesem Beruf arbeiten möchte. Außerdem wird die Zeit für viele Berufe und Studiengänge als Praktikumsersatz anerkannt. Auch deshalb haben wir bisher eine sehr gute Resonanz, was das FSJ angeht. Trotz verringerter Schülerzahlen sinken die Bewerberzahlen nicht ab. Die Schüler mit guten Leistungen werden allerdings von vielen Seiten umworben.
Stand 13.02.2011 Quelle: NK110212