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Skalpell, Zange, Schere: Steril müssen sie sein

Was passiert tagtäglich in Neubrandenburg und Umgebung? In unserer neuen 24-Stunden-Serie zeigen wir jeden Tag eine Stunde im Leben der Region und begleiten Menschen bei der Arbeit.

An der Schnittkante der Schere klebt Blut. Auch die Skalpelle, Klemmen undZangen im Korb kommen gerade aus demOP.

In Schutzkittel und mit Handschuhen und Haube greift Jens Arndt nach den chirurgischen Instru-menten, sortiert und demontiert sieteilweise.Als gelernter Krankenpfleger ma-chen ihm solche Anblicke nichtsaus. „Ich habeschonganz andere Sachen gesehen“, meintervielsagend.JetztisterSterilisations-Assistent am Dietrich -Bonhoeffer-Klinikum. In der zentralen Sterilgutversor-gung (ZSV) werden medizinische Instrumente von allen Stationen und nach Operationen desinfiziert und letztlich sterilisiert, sprich aufbereitet. Die Außenstellen des KlinikumsinAltentreptowund Malchin haben ihre eigene Sterilisation-Abteilung, wo-hingegendieinNeubrandenburgdiegrößteist.

An die 12.000 einzelne Instrumente durchqueren täglich die ZSV des Bonhoeffer Klinikums in der Neubrandenburger Oststadt. Etwa vier bis viereinhalb Stunden dauertdieserProzess,der minutiös geplant ist. Jens Arndt, in seiner Schutzbekleidung, sortiertauf der sogenannten unreinenSeite der Abteilung das Besteck in Siebschalen.

Der Sterilisations-Assistent bereitet die Instrumente für ihren Waschgang vor. Weni-geMeterweiter,aufder„rei-nen Seite“, arbeitet in dieser StundeChristina Rother. Au-ßer der OP-Haube und der Bereichsbeklei-dung muss sie keine Schutzkleidung tragen, denn nach dem Desinfizieren in den riesigen Waschautomaten sind die Geräte für die insgesamt 27 Mitarbeiter nicht mehr gefährlich.

Christina Rother ölt eine HandvollScheren, diesie gerade aus dem Waschautomaten geholt hat. Sie prüft deren Funktionstüchtigkeit. Anhand einer Packliste, die einem Lieferschein gleicht, kontrolliert sie alle Instrumente,stelltSetszusammen und verpackt sie in einen Container.

Aus Weißenfels ist sie mit ihrem Mann und Kind einst nach Neubrandenburg ge-kommen. „Die Armee fragt nicht“, meint sie vielsagend zur Versetzung, die nun schon Jahrzehnte zurückliegt.

Christina Rother ist gelernte Chemiefacharbeiterin, doch wegen des Umzuges in die Viertoretstadt musste sie zu neuen Ufern aufbrechen.

So begann sie als Hilfskraft in der ZVS, arbeitete sich Stück für Stück hoch und wurde letztlich sogar Leiterin.

„Eines Tages zum ersten Mal eine Spritze in der Hand zu halten, war schon ein komisches Gefühl“, berichtet sie von ihren Anfängen.

Diese Funktion der Leiterin hat sie 2006 abgegeben, aus privaten Gründen. Holger Odebrecht wurde ihr Nachfolger. Aber Christina Rother ist zufrieden. Auch als Stellvertreterin fühlt sie sich wohl und wenn Not am Mann ist, unterstützt sie den Schichtbetrieb.„Es ist schön, für Patienten zu arbeiten, auch wenn man nicht direkten Kontakt hat“, erklärt sie und fügt hinzu: „Unsere Arbeit ist notwendig. Sie trägt dazu bei, Menschen leben zu retten.“ ChristinaRother, die nach 29 Jahren alle Instrumente in-undauswendig kennt, ist fertig mit dem Einsortieren.

Die Container werden verplombt. Doch noch sind die Bestecke längst nicht sterilisiert, erklärt sie. Das erfolgt im Dampfsterilisator. Die reine Sterilisationszeit beträgt dabei fünf Minuten bei einer Temperaturvon 134 Grad.

Innerhalb weniger Stunden stehen Scheren, Skalpelle, Klemmen und Zangen wieder dem OP-Personal zur Verfügung. Und damit liegen sie auch für die Patienten bereit.

Stand 31.01.2013