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Hände weg von eiskalten und süßen Getränken

Wie an heißen Sommertagen ein Flüssigkeitsmangel am besten zu vermeiden ist - Tipps vom Ernährungsteam

Hände weg von eiskalten und süßen Getränken

Shalane Bull und Sandra Seegler vom Ernährungsteam

Inge K., 83, wollte an diesem Hochsommertag nur eine Kleinigkeit einkaufen. Unterwegs wurde ihr plötzlich schwindelig, das Atmen fiel ihr schwer. Passanten riefen den Rettungswagen, der sie ins Krankenhaus brachte. Nach gründlicher Untersuchung war klar, Ing K. war dehydriert. Sie hatte zu wenig Flüssigkeit im Körper. Das bereitete dem Kreislauf Probleme. „Eigentlich trinke ich doch genug“, wunderte sich die Seniorin.

Diesen Satz hören die Diätassistentinnen am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum oft. „Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen trinken viele Menschen trotzdem zu wenig“, sagt Sandra Seegler vom Ernährungsteam. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, weiß die Ernährungsexpertin aus Gesprächen mit Patienten. So spiele oft die Angst eine Rolle, nachts oder während einer Autofahrt zu häufig auf Toilette zu müssen. „Einige Menschen vergessen das Trinken aber auch einfach, weil sie kein Durstgefühl verspüren.“ Im menschlichen Körper ist das Wasser die Grundlage aller Lebensvorgänge. „ Schon bei einem leichten Flüssigkeitsmangel können sich die Fließeigenschaft des Blutes und die Versorgung der Zellen mit Nährstoffen verschlechtern, muss das Herz schwerer arbeiten“, erläutert Ernährungsmediziner Dr. Jens-Peter Keil, Chefarzt der Klinik für Geriatrie, Rehabilitation und Palliativmedizin. Etwa 2 bis 3 Liter Flüssigkeit sollte man täglich zu sich nehmen, um den Wasserverlust auszugleichen. Wer seine Trinkmenge individuell berechnen will, kann die Formel „Körpergewicht (ideal) x 30 ml“ nutzen. Patienten mit Nieren- oder Herzerkrankungen sollten die Höchstmenge mit ihrem Arzt besprechen.

Inge K. müsste nach der Formel täglich 2,1 Liter trinken. An heißen Tagen und bei körperlicher Aktivität durchaus mehr. Denn dann kann sich der Flüssigkeitsverlust um das Zwei- bis Dreifache steigern.„Gerade beim Schwitzen gehen auch große Mengen an Kochsalz, Magnesium und anderen Elektrolyten verloren“, sagt Sandra Seegler. Wer den Flüssigkeitsverlust nicht ausgleicht, kann also schnell Probleme bekommen. Bei 4 bis 6 Prozent Wasserverlust sinkt beispielsweise die Denkleistung um bis zu 20 Prozent, treten Müdigkeit, Übelkeit auf, steigt die Herzfrequenz. Bei einem Verlust von 7 bis 11 Prozent kann es zu Schwindel, Atemnot, Kopfschmerzen kommen, das Blutvolumen sinkt, das Gehen fällt schwer. Und bereits bei einem Wasserverlust ab 11 Prozent können Verwirrtheit, Krämpfe und Delirium die schwerwiegenden Folgen sein. Ganz wichtig ist die Auswahl der Getränke. Hände weg von Eiskaltem, warnt Sandra Seegler. Das belaste den Körper nur. Getränke mit Zimmertemperatur seien besser verträglich. Durchaus auch Kaffee in Maßen (3 bis 4 Tassen höchstens) trage zur guten Wasserbilanz im Körper bei. Statt zuckersüßer Limonaden und Säfte oder Alkohol empfiehlt sie als Durstlöscher Mineralwasser, ungezuckerte Tees, stark verdünnten Apfelsaft und den Sportlern isotonische Getränke. „Ich selbst bevorzuge an heißen Tagen Leitungswasser mit einem Schluck Apfelsaft und einer Prise Salz“, sagt die Ernährungsberaterin. Trinkwasser aus der Leitung sei ohnehin das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.

Auch kleinen Kindern schmeckt Wasser, weiß Shalane Bull, eine für die Kinderheilkunde speziell ausgebildete Diätassistentin. „Wasser mit Sprudel finden Kleinkinder ganz toll. Das erlebe ich während meiner Beratungen immer wieder“, so die Fachfrau. Sie warnt Eltern vor der „Zuckerfalle“. Neben Limonaden und Cola gehören sogenannte Kinderlebensmittel dazu: u. a. spezielle Tees oder Fruchtsaftgetränke, die sehr werbewirksam angeboten werden, aber oft viel zu viel Zucker enthalten. Auch die nährstoffreiche Milch sei als Durstlöscher nicht geeignet. Ungesüßte Früchte- und Kräutertees sowie Fruchtsaftschorlen (1:2 oder 1:3 mit Wasser verdünnt) sind wie Wasser pur nach Auskunft von Shalane Bull eine gesunde Alternative für die Kleinen.

Wichtig zu wissen: Kinder haben einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf. „Der Körper von Säuglingen und Kleinkindern bis zum dritten Lebensjahr besteht zu 75 Prozent aus Wasser, der eines Erwachsenen zu 50 bis 60 Prozent“, erläutert die Diätassistentin. Aber gerade Kleinkinder trinken laut Bericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. oft zu wenig. „Eltern sollten ihren Nachwuchs insbesondere an heißen Sommertagen und beim Sport immer wieder zum Trinken anhalten, noch bevor die Kleinen durstig werden“, empfiehlt Shalane Bull. Mütter und Väter sollten außerdem in ihrem Verhalten auch auf diesem Gebiet Vorbild sein. Mehr Wasser trinken will nun auch Inge K. Damit sie den Vorsatz nicht vergisst, wird sich die 83-Jährige die Wasserflasche auf den Couchtisch stellen. Sandra Seegler empfiehlt gerade älteren Menschen ein farbiges Wasserglas. „Das hat Signalwirkung“, so die Diätassistentin.

Außerdem sollte Mann oder Frau besonders an heißen Sommertagen auch für unterwegs immer eine Flasche Wasser in der Tasche oder im Auto haben.

Stand 16.06.2014