Sections
Personal tools
start » grp » Nachrichten » Jeder sechste Senior schluckt falsche Pillen

Jeder sechste Senior schluckt falsche Pillen

Das Alter ist kein Problem für die moderne Medizin. Gegen viele Alterserscheinungen gibt es Tabletten. Doch ab wann sind all die Medikamente zu viel des Guten? Ärzte gehen jetzt diesem Problem nach.

Jeder sechste Senior schluckt falsche Pillen

Sind die wichtig oder können die weg? An der Wirksamkeit von Tabletten wird jetzt genauer geforscht.

NEUBRANDENBURG. Der Chefarzt rät zur Vorsicht: Senioren, die regelmäßig mehr als fünf verschiedene Medikamente täglich einnehmen, müssten mit ungewollten Nebenwirkungen rechnen. Regelmäßige Kontrollen der Arzneimenge und deren Wirkung seien dann besonders wichtig, sagt Jens-Peter Keil von der Klinik für Geriatrie, Rehabilitation und Palliativmedizin im Klinikum Neubrandenburg.

Jeder Sechste der 164 000 Versicherten der Techniker Krankenkasse in MecklenburgVorpommern über 65 Jahre nimmt laut einer Studie Medikamente ein, die falsch wirken könnten. Pressesprecher Kevin Nowatka erläutert, dass eine Liste relevant dafür sei. Sie informiert über 83 Wirkstoffe, die besonders bei älteren Patienten zu einem höheren Risiko von Nebenwirkungen führen könnten. Problematisch bei vielen Senioren sei es, dass sie mehrere Medikamente dauerhaft einnehmen.

Rund 388 000 Menschen im Alter von über 65 Jahren leben in Mecklenburg-Vorpommern und der Uckermark. Laut dem Facharzt ist kaum ein Senior in diesem Alter so fit, dass er auf Medikamente verzichten könne.

Keil sieht drei wesentliche Probleme, die besonders Ältere betreffen. Würden zum Beispiel unterschiedliche Arzneien eingenommen, die alle von der Leber abgebaut werden, könne dieses Organ überfordert sein. Daher bleiben laut Chefarzt die Wirkstoffe länger im Körper, als sie sollten.

Darüber hinaus könne es sein, dass sich der Körper bei einer Langzeittherapie an ein Medikament gewöhnt hat und dieses daher schneller als beabsichtigt abgebaut werde. „So reicht eine Tablette, die eigentlich 24 Stunden wirken sollte, nur noch 16 Stunden“, sagt Keil. Damit erhöht sich auch das Risiko, dass der Patient mehr Tabletten als nötig einnimmt, weil er Schmerzen empfindet.

Die Fachklinik für Altersheilkunde in Neubrandenburg nutzt eine neue Software. Damit können mögliche Nebenwirkungen für tausende Medikamente errechnet werden. Die Auswertung sei allerdings nicht leicht. „Wir haben zwei Pharmakologen, die uns unterstützen, die richtigen Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen“, erklärt Keil.

Stand 12.09.2014 Quelle: NK140910