Sections
Personal tools
start » grp » Nachrichten » Katzenjammer nach der Fete

Katzenjammer nach der Fete

Nach der wilden Feier folgt das böse Erwachen. Es pocht und hämmert im Schädel. Das hat seinen Grund – und ein Chefarzt erklärt ihn.

Katzenjammer nach der Fete

Chefarzt Dr. Jens-Peter Keil

NEUBRANDENBURG. Kopfschmerzen, zitternde Hände, Unwohlsein und gaaanz viel Durst – das sind die typischen Katersymptome nach einer heftigen Silvesterparty mit viel Bier, Wein, Schnaps und Mixgetränken. Bekannt ist das Phänomen schon lange. Bereits in den alten Schriften der Griechen und Römer finden sich Katerbeschreibungen. „Für die Beschwerden sind neben dem Alkohol auch noch andere Faktoren verantwortlich“, weiß der Chefarzt am Neubrandenburger Dietrich-BonhoefferKlinikum, Jens-PeterKeil. Bis heute seien aber noch nicht alle Zusammenhänge geklärt. Es gibt mittlerweile zahllose Empfehlungen zur Bekämpfung und Vorbeugung eines Katers. Generationen haben sich darüber den Kopf zerbrochen.

Aber was ist dran an diesen Überlieferungen? Zusammen mit unserem Reporter hat Chefarzt und Ernährungsmediziner Keil einige KaterMythen unter die Lupe genommen – von der RollmopsTheorie über das KonterbierDilemma bis hin zur Wodka-These. Längst nicht alle Aussagen sind purer Unfug – der wissenschaftliche Nachweis einiger Thesen ist mitunter aber schwierig. Fest steht auf jeden Fall: Die höhere Sterberate bei Herzinfarkten nach dem Wochenende führen Ärzte auf übermäßigen Alkoholkonsum zurück.

Wann ist man wieder fahrtüchtig?
Wer nach einer feucht-fröhlichen Feier ohne Kopfschmerzen aufwacht, ist nicht unbedingt bereits wieder nüchtern. „Zwischen Katerbeschwerden und Alkoholkonzentration im Blut besteht kein direkter Zusammenhang“, sagt Mediziner Jens-Peter Keil. Doch wann ist man eigentlich wieder fahrtauglich? Ohne einen Promillerechner ist das nur schwer zu beurteilen. Auf die Faustregel, dass pro Stunde im Durchschnitt 0,1 Promille abgebaut werden, sollte man sich nicht verlassen. Im Zweifel lieber Bus und Bahn nehmen.
Hilft der Rollmops wirklich?
Die Russen schwören auf Gurkenwasser. Die Amerikaner kauen verbrannten Toast. In Nordirland werden gebratener Speck und Eier serviert. Für den schmerzvollen Morgen danach „kursieren in jedem Kulturkreis eigene Rezepte gegen die Beschwerden“, weiß Dr. Keil. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit dieser Methoden gibt es allerdings nicht. Und der Salzhering? „Damit kann zumindest der Mineralienverlust wieder ausgeglichen werden“, so der Mediziner. Das ist besser als nichts.
Kann man einem Kater wirksam vorbeugen?
Ein üppiges Essen vor der Party oder Olivenöl zum Drink dazu – zur Katerprophylaxe gibt es zahllose Empfehlungen. „Ein kräftiges Essen verzögert lediglich die Aufnahme des Alkohols. Betrunken wird man trotzdem, es dauert nur länger“, erklärt der Arzt. Wissenschaftlich belegt ist nur eine Vorbeuge-Maßnahme: ein moderater Alkoholkonsum.
Brummschädel sind schlecht für die Wirtschaft
Katerbeschwerden sind ein häufiger Grund für eine Krankschreibung. Die Fehlzeiten am Arbeitsplatz haben Studien zufolge eine nicht zu unterschätzende volkswirtschaftliche Bedeutung. Beispielsweise in den USA werden die daraus resultierenden jährlichen Kosten auf 2000 Dollar pro Arbeitnehmer geschätzt.
Keinen schweren Kopf von Wodka?
Hochwertiger Wodka besteht meistens nur aus einem Grundstoff wie Kartoffeln. Ist er sehr rein gebrannt, enthält er kaum Fuselalkohole oder Aromen, die für Katersymptome mitverantwortlich sind. Wodka ruft demzufolge die typischen Symptome seltener hervor als Whisky, Wermut oder Grappa. Diese besitzen eine höhere Anzahl und Konzentration von Begleitstoffen und sorgen leichter für einen schweren Kopf am nächsten Tag.
Verursacht nur der Alkohol die Probleme?
Ein hoher Alkoholkonsum führt zu einem Flüssigkeitsverlust im Körper. „Das äußert sich am nächsten Tag im typischen Brand und Kopfschmerzen“, erklärt Mediziner Keil. Außerdem kann Alkohol zu einer akuten Entzündung der Magenschleimhaut führen. „In Spirituosen sind aber auch hunderte Begleitstoffe wie Methanol, Fuselalkohole und Aromen enthalten“, erläutert er. Diese Substanzen würden das Auftreten typischer Katersymptome fördern. Vollständig geklärt sind die Zusammenhänge bislang nicht. Das bleibt schwierig. „Für Studien, in denen Probanden kontrolliert betrunken gemacht werden, kann es keine ethische Rechtfertigung geben.“
Den Kater mit Wasser vertreiben?
Nach einer heftigen Zecherei hat der Körper viel Flüssigkeit verloren. Das zerrt an den Nerven und äußert sich in heftigen Kopfschmerzen. Da hilft nur eins: „Viel trinken. Am besten magenschonende Getränke wie Wasser oder Tee“, empfiehlt der Ernährungsmediziner. Vollkommen abwegig ist der erneute Alkoholkonsum wie das berüchtigte „Konterbier“. Cleverer ist es dagegen, sich bereits eine Flasche Wasser ans Bett zu stellen.
Bier auf Wein, das lass sein?
Obwohl der Spruch ursprünglich eine andere Bedeutung hatte, ist er trotzdem nicht ganz falsch. Beide Getränke enthalten neben Alkohol noch andere Stoffe wie Säuren und Bitterstoffe, die den Stoffwechsel belasten können. Diese Kombination hat deshalb ein hohes Katerpotential. Allerdings gilt das auch für die umgekehrte Trink-Reihenfolge. „Dem Körper ist die Abfolge nämlich egal“, so Jens-Peter Keil.
Stand 14.01.2014 Quelle: NK131231