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Weiterbildungscurriculum Rehabilitationswesen

Lehr- und Lerninhalte in der Zusatzweiterbildung „Rehabilitationswesen“

Vorwort

Durch die demographische Entwicklung und die durch den medizinischen Fortschritt verbesserten Überlebenschancen bei schweren Unfällen oder Erkrankungen nimmt der Bedarf an Rehabilitation in der Bevölkerung kontinuierlich zu. Die Grundlagen der Rehabilitation haben sich durch die Verabschiedung der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit durch die World Health Assembly im Jahre 2003 fundamental weiterentwickelt. Das lineare Krankheitsfolgenmodell der ICIDH wurde durch ein komplexeres bio-psycho-soziales Modell ersetzt, das von komplexen Wechselwirkungen zwischen Krankheit, Funktionen, Aktivitäten und der Teilhabe ausgeht. Darüber hinaus wurde erstmals auch die Relevanz von Kontextfaktoren für die Funktionsfähigkeit des Individuums herausgestellt. In Deutschland wurde durch das Inkrafttreten des IX. Sozialgesetzbuches unter dem Titel „Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen“ 2001 das Recht auf Rehabilitation festgeschrieben und die Rehabilitation in allen Sektoren der medizinischen Versorgung festgeschrieben. Die Medizinische Rehabilitation hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark weiterentwickelt, z. B. durch die Schaffung und Weiterentwicklung neuer Rehabilitationsformen (ambulante und teilstationäre Modelle, Frührehabilitation im Akutkrankenhaus, mobile – aufsuchende – Rehabilitationsformen). Deutlich verstärkt wurde auch die Berücksichtigung rehabilitativer Versorgungselemente in der akutstationären Versorgung durch die im SGB V verankerte Frührehabilitation im Akutkrankenhaus.. Nach der Definition der (Muster-)Weiterbildungsordnung umfasst die Zusatzweiterbildung „Rehabilitationswesen“ die Einleitung und Koordination von Rehabilitationsmaßnahmen zur beruflichen und sozialen (Wieder-)Eingliederung im Rahmen interdisziplinärer Zusammenarbeit. Die Absolvierung der Zusatzweiterbildung soll dazu befähigen, Patienten in Rehabilitationsfragen zu beraten und eine fachgerechte Begutachtung durchzuführen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Teamaspekten und der Interdisziplinarität der Rehabilitation. Die Ärztinnen und Ärzte sollen in der Zusatzweiterbildung „Rehabilitationswesen" nicht nur besondere theoretische Kenntnisse, sondern auch Kompetenzen und Fertigkeiten in der Anwendung erwerben, welche der selbständigen Erarbeitung von Lösungswegen alltagsrelevanter Probleme dienen.

Ziele der Zusatzweiterbildung „Rehabilitationswesen“

Ziel der Zusatzweiterbildung ist die Erlangung der fachlichen Kompetenz in Rehabilitationswesen nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte sowie der Weiterbildungskurse.

Weiterbildungsinhalte

Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in - den Grundlagen der Rehabilitationsmedizin - der Koordination im multiprofessionellen Team einschließlich der interdisziplinären Zusammenarbeit auch mit den verschiedenen Rehabilitationsinstitutionen und den Rehabilitationsträgern - der Beschreibung und Begriffsbestimmung von Schaden, funktioneller Beeinträchtigung und sozialer Auswirkung - die Erkennung der Auswirkungen bleibender Gesundheitsschäden auf Funktion, Verhalten und soziale Entwicklung einschließlich den Besonderheiten von Verläufen chronischer Erkrankungen - der Auswirkung von Behinderungen in verschiedenen Altersgruppen projiziert auf die sozialen Bezugsfelder - den Verfahrensweisen und Arbeitstechniken der Rehabilitation in der ambulanten und stationären Versorgung - der beruflichen und sozialen Eingliederung/Wiedereingliederung und den damit verbundenen psychosozialen Aspekten - der Erarbeitung von weiterführenden Rehabilitationsvorschlägen einschließlich der lebens-/arbeitsbegleitenden Beratung und Kooperation mit anderen Diensten - der Patienteninformation und Verhaltensschulung sowie der Angehörigenbetreuung - den Grundlagen der Sozialmedizin und Epidemiologie - den Grundlagen der medizinischen Dokumentation und Statistik

Praktische Durchführung

  1. Medizinische Rehabilitation und indikationsspezifischer Rehabilitationsbedarf und aktive Teilnahme an der stationären und teilstationären rehabilitativen Krankenversorgung
    • Vermittlung von Kenntnissen der für die Koordination von Rehabilitationsleistungen notwendigen diagnostischen Instrumente und Dokumente,
    • Beachtung von Gesundheit und Krankheit in Abhängigkeit von demographischen und sozialen Einflüssen einschließlich geschlechtsspezifischer Aspekte,
    • Einordnung von psychologischen Determinanten für Gesundheits- und Krankheitsverhalten, Krankheitsverarbeitung, Coping
    • Anwendung in rehabilitationsmedizinischen Klassifikationssystemen und Prozedurenschlüssel (International Classification of Diseases (ICD), International Classification of Procedures in Medicine (ICPM), Diagnosis Related Groups (DRG), Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS), International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)
    • Erkennen von Problemen von Gesundheitsförderung, Prävention, Kuration, Rehabilitation, Nachsorge, Pflege, Palliation
    • Organisation der Krankenversorgung und Rehabilitation
    • Vermittlung des Verständnis für den Rechtsanspruch auf Rehabilitation, soziale Einflüsse und der bio-psycho-sozialen Komponenten der Funktionsfähigkeit und Umgang mit der ICF-Klassifikation
    • Erlangung eines Überblickes über die Formen der ambulant, stationären, teilstationären Rehabilitation und ihre Auswahl für Menschen mit Evaluation und Qualitätsmanagement in der Rehabilitation - Umgang mit Qualitätsmanagementprogrammen und kritische Bewertung von Evaluationsstudien
    • Zuordnung von Rehabilitationsfällen in die entsprechenden Phasenmodelle
    • Kenntnis der Zugangskriterien und selbständige Erarbeitung von differenzierten Zugangskriterien sowie Beratung von Versicherten
    • Einleitung von Leistungen zur Teilhabe
    • Erkennen und Feststellung von Rehabilitationsbedürftigkeit, Rehabilitationsfähigkeit, Rehabilitationsziele, Rehabilitationsprognose, Motivation
    • Sozialmedizinische Beurteilung
    • Einleitung von Antragsverfahren, Prüfung und Bewilligung durch die Leistungsträger
    • Erstellen von ärztlichen Befundberichten
    • Begleitung der Beurteilung durch Vertragsärzte gemäß Rehabilitationsrichtlinie
    • Beeinflussung der Nahtlosigkeit von Rehabilitationsmaßnahmen (Schnittstellenproblematik, geschlossene Versorgungskette)
    • Analyse der Schnittstellenproblematik und Erarbeitung von Lösungsansätzen für den Einzelfall
    • Planung der stufenweisen Wiedereingliederung und Rehabilitationsnachsorge
    • Erarbeiten von Konzepten der Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft anhand von Modellbeispielen
    • Kennenlernen von Kenntnissen der aktivierenden und die Selbständigkeit fördernden Aspekte der Pflege sowie der wichtigsten Strukturen der Pflege
    • Begutachtung zur medizinischen Rehabilitation (Rehabilitationsrichtlinie, Begutachtungsrichtlinien u.a.)
    • Kenntnis und Anwendung der für die Koordination von Rehabilitationsmaßnahmen notwendigen diagnostischen Instrumente und der Rehabilitationsdokumentation
    • Erstellen und Interpretation von Entlassungsberichten aus Rehabilitationsmaßnahmen auch nach den Anforderungen und Empfehlungen der Rentenversicherungsträger
    • fachärztliche Führung des multiprofessionellen Rehabilitationsteams in der variablen Zusammensetzung (z. B. Facharzt, Physiotherapeut, Ergotherapeut, Sporttherapeut, Logopäde (einschließlich Dysphagietherapie), Masseur/medizinischer Bademeister, Ernährungstherapeut, Psychologe/Psychotherapeut, Neuropsychologe, Sozialberater, Rehabilitationspädagoge, Musik- und Kunsttherapeut, Pädagoge, Gesundheits- und Pflegekraft)
    • Nutzung von Synergieeffekten sowie Erweiterung des Handlungsspektrums durch multiprofessionelle und interdisziplinäre Teams
    • spezifische Fortbildung der Teammitarbeiter
    • Angehörigenarbeit
    • Supervision
    • Zusammenarbeit mit den Vertragsärzten (Reha-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses)
    • Kooperation mit der an der Rehabilitation beteiligten Facharztgruppen
    • Sensibilisierung auf Fallstricke der Kommunikation sowie Erarbeiten von Lösungsansätzen
    • Überblick über die wichtigsten rehabilitationsrelevanten Hilfsmittel, deren Indikationen und Kontraindikationen sowie der Verordnungsweise
  2. Spezifische Ziele und Konzepte der Rehabilitation bei ausgewählten Krankheitsbildern
    • Muskuloskelettale Erkrankungen, Unfallfolgen (einschließlich Polytrauma und Verbrennungen)
    • Herz-Kreislauferkrankungen
    • Atemwegserkrankungen
    • Erkrankungen des Nervensystems einschl. Z. n. neurochirurgischen Eingriffen, Querschnittslähmung
    • Stoffwechselerkrankungen
    • Erkrankungen des Urogenitalsystems
    • bösartige und gutartige Neubildungen
    • psychische und psychosomatische Erkrankungen
    • chronische Schmerzen
    • Hauterkrankungen und Allergien
    • Magen-Darm-Erkrankungen
    • Hör-, Stimm- und Sprachstörungen
    • Sehstörungen und Erblindung
    • Suchterkrankungen
    • Multimorbidität im Alter
    • Mangel- und Fehlernährung

Vermittlung eines Überblickes und differenzierte Einschätzung von medizinischen Rehabilitationseinrichtungen, indikationsgerechte Indikationsstellung und trägerspezifische Zielsetzungen sowie von Kenntnissen der indikationsspezifischen Rehabilitationsangebote sowie ihrer Indikationen und Kontraindikationen.

Zeitlich und abteilungsspezifischer Ablauf

Ausbildungsverbund zwischen Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum und Bethesda-Klinikum

darunter Teilnahme an der frührehabilitativen und akutstationären rehabilitativen Versorgung gemäß §109 SGB V (neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation, Akutgeriatrie, geriatrisch frührehabilitative Komplexbehandlung, fachübergreifende frührehabilitative Komplexbehandlung, intensivierte Adipositastherapie, palliativmedizinische Komplexbehandlung, geriatrisches Konsil, SAPV, etc.) sowie Teilnahme an der stationären rehabilitativen Versorgung gemäß §111 SGB V (Anschlussheilbehandlung, geriatrische Rehabilitation, teilstationäre Rehabilitation, etc.)

Stand 19.03.2014