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Wenn die Wiese zum Kreißsaal wird

Greta hatte es besonders eilig. So eilig, dass sie nicht im Kreißsaal auf die Welt kam, sondern auf der Wiese vorm Haupteingang des DietrichBonhoeffer-Klinikums.

Wenn die Wiese zum Kreißsaal wird

Auf dieser Wiese erblickte die kleine Greta das Licht der Welt.

Anett Seidel (Neubrandenburg)

In der Badewanne, auf dem Hocker oder auch im Bett – es gibt viele Möglichkeiten zu entbinden. Doch der Neubrandenburgerin Katja Rauner blieb keine Zeit, darüber nachzudenken, wie sie sich die Geburt am angenehmsten gestalten könnte. Für sie waren die 50 Meter Weg vom Parkplatz bis zum Haupteingang des Dietrich-BonhoefferKlinikums schlichtweg zu weit. Mit dem Köpfchen im Gebärkanal ging nichts mehr. Den Parkplatz erreichten die Rauners um 20.25 Uhr. Danach ging alles rasend schnell. „Katja ist 20 Meter gegangen, dann hat sie behauptet, dass das Baby kommt“, erzählt der 31jährige Vater Tony Rauner. Das wollte er nicht glauben, sah seiner Frau aber sehr wohl an, dass sie es ernst meinte.

Mit Angstschweiß auf der Stirn machte er sich flugs auf den Weg ins Krankenhaus-Foyer. Dort bat er um Hilfe und bekam einen Rollstuhl. Doch auch für den war es zu spät. Glücklicherweise hatte Hebamme Silke aus dem Kreißsaalfenster geschaut, weil sie die Rauners erwartete. „Ich habe die Mutter bereits bei zwei Geburten betreut, auch die verliefen zügig“, so die Hebamme aus dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. Im Kreißsaal sei alles vorbereitet gewesen. Doch was in den folgenden Minuten tatsächlich passieren würde, damit hatte niemand gerechnet. „Ich sah die Schwangere aus dem Auto steigen und plötzlich stehen bleiben. Ich spürte, dass sie sofort Hilfe brauchte und eilte nach unten.“ Dort traf sie auf einen aufgeregten Tony Rauner. Eile war geboten. „Eine andere Hebamme mit dem Geburtspäckchen folgte mir.“ Zu dem Zeitpunkt lag Katja Rauner bereits auf der Wiese. Eine Passantin leistete Beistand, hielt die Hand und streichelte die Stirn. „Ein Besucher, der wenige Tage zuvor Vater geworden war, bot uns Hilfe an“, weiß die Hebamme zu berichten. Ihr fehlte Licht. Der Mann fuhr daraufhin sein Auto vor und im Scheinwerferlicht erblickte Greta um 20.37 Uhr, zwölf Minuten nach Ankunft am Krankenhaus, das Licht der Welt.

Dabei verliefen die Stunden zuvor völlig normal. Als bei Katja Rauner die Wehen einsetzten, waren sie, ihr Mann Tony und die beiden Kinder Kara (5) und Jonah (2) bei Freunden zu Besuch. „Wir haben zu Hause dann die Kinder ins Bett gebracht“, erzählt Katja Rauner. Oma und Opa wurden angerufen, um auf die beiden Knirpse aufzupassen. Mit einem Anruf bei der Hebamme signalisierten die Eltern, dass sie sich in Kürze auf den Weg ins Krankenhaus machen würden. Mit Schmerzen, aber der Ruhe einer zweifachen Mutter vor der Geburt ihres dritten Schützlings, ließ die 30-Jährige ihren Mann während der Fahrt sogar noch einmal umdrehen, um die vergessene Kamera zu holen. Tony Rauner war das gar nicht recht. „Ich wurde schon unruhig“, gesteht er.

Im Klinikum gab es so etwas noch nie. „Aber die Hebammen blieben ruhig, haben das Kind und mich bestens versorgt“, sind Katja und Tony Rauner dankbar über den Verlauf der „Wiesen-Geburt“. „Die Situation war für mich ebenso ungewöhnlich wie für die Mutter“, gibt auch Hebamme Silke zu. Trotzdem sei alles ruhig verlaufen. Dankbar sind die Rauners aber auch den beiden Passanten, die sofort Hilfe leisteten. Die nun fünfköpfige Familie ist inzwischen gesund und glücklich in den eigenen vier Wänden.

Stand 02.10.2012 Quellle: NK120926