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Serum hilft weißen Blutkörperchen

Pneumokokken können Lungen- und Hirnhautentzündung auslösen. Besonders betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder. Lange Zeit konnten sie nicht gegen Pneumokokken geimpft werden. Ein neuer Impfstoff ermöglicht es nun aber doch. Sabine Rackelmann sprach darüber mit Prof. Dr. Hans-Joachim Feickert, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg

Erkranken so viele kleine Kinder durch Pneumokokken, dass eine Impfung notwendig ist?

Eine Impfung ist auf jeden Fall sinnvoll. Pneumokokken sind für Kinder sehr gefährlich. Eine durch sie verursachte Lungen- und- Hirnhautentzündung tritt am häufigsten bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren auf – oft mit Todesfolge.

Können diese Krankheiten nicht medikamentös behandelt werden?

In der Regel schon. Vorausgesetzt, die Krankheit wird rechtzeitig erkannt, was bei ihrem schnellen Verlauf oft nicht möglich ist. Daher kann eine Impfung mehr Leben retten als die Behandlung.

Warum sind Pneumokokken so gefährlich?

Pneumokokken sind Erreger, die in den Körper eindringen. Die Infektion befällt oft mehrere Organe. Das macht die Behandlung sehr schwierig und führt nicht selten zum Tod.

Wie weit reicht der Impfschutz?

Er bekämpft die für Säuglinge und Kleinkinder gefährlichsten sieben Typen von Pneumokokken-Erregern.

Warum konnte der vorherige Impfstoff nicht für Säuglinge und Kleinkinder verwendet werden?

Er wirkte nicht, weil ihr junges Immunsystem bis zum zweiten Lebensjahr noch nicht voll entwickelt ist. Es kann die Erreger-Bestandteile des älteren Impfstoffs nicht erkennen und bekämpfen. Der neue, so genannte Konjugat-Impfstoff enthält eine andere Kombination von Eiweiß und Kapselmolekülen als das ältere Serum. Die neue Kombination hilft den weißen Blutkörperchen. Sie unterstützt sie dabei, die Erregerbestandteile zu erkennen, um sie bei einer Infektion abwehren zu können.

Wann kann geimpft werden?

Die Impfung kann ab der 8. Lebenswoche erfolgen, beispielsweise mit dem Schutz gegen Diphterie, Keuchhusten, Polio, Tetanus und Hib.

Überfordert eine Mehrfachimpfung das kindliche Immunsystem?

Nein. Impfstoffe sind heute sehr verträglich. Sie haben viel weniger Bestandteile als früher und belasten so das Immunsystem deutlich weniger.

Ist der neue Impfstoff auch für Allergie belastete Kinder geeignet?

Ja. Selbst für solche, die gegen Hühnereiweiß allergisch sind. Das sollte jedoch der behandelnde Arzt entscheiden.

Die kindliche Abwehr hat nicht mit der Impfung zu kämpfen?

Doch, das schon. Sie schafft das allerdings problemlos. Sie ist noch ganz andere Dinge gewohnt. Der kindliche Körper muss sich ja im Sandkasten, Garten oder der Wohnung mit unterschiedlichen Viren und Bakterien auseinandersetzen. Dadurch wird es gestärkt und widerstandsfähig.

Wie reagiert der Körper des Kindes auf die Impfung?

Häufig merken die Kinder gar nichts. Selten treten stärkere Reaktionen wie Rötung, Schwellung und Schmerzen im Bereich der Einstichstelle bis hin zu Fieber auf. All das sind gute Zeichen. Weil der Körper damit eigentlich nur zeigt, dass er auf den Impfstoff reagiert und die Erreger-Bestandteile bekämpft.

Die Krankheit selbst bricht aber nicht aus durch die Impfung?

Ganz selten und wenn, dann nicht annähernd so schwerwiegend wie bei einer richtigen Infektion.

Wie kommen die kleinen Leute mit Pneumokokken in Berührung?

Zehn Prozent der Bevölkerung tragen die Erreger im Mund, Nasen- und Rachenraum. Die Erreger übertragen sich beispielsweise durch Husten, einen Nieser oder Kuss. Die Ansteckungsgefahr lauert in der Familie, im Bus, quasi überall.

Wer überprüft Eignung und Wirkung des Impfstoffes?

Das ist Aufgabe des Paul-Ehrlich-Institutes, einer Behörde im Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums. Dort werden Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des Impfstoffs geprüft.

Sind Schäden durch eine Pneumokokken-Impfung bekannt?

Nicht dass ich wüsste. Schäden durch Todimpfstoffe, wie sie gegen Pneumokokken verwendet werden, sind bisher nicht bekannt.

Impfgegner sagen, dass Impfungen wirkungslos sind und andere Einflüsse zum Rückgang einer Krankheit führen.

Das ist falsch und entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Bewiesen ist, dass in Großbritannien die Todesfälle durch Hirnhautentzündung verursachende Meningokokken auf Null zurückgegangen sind, seitdem in dem Land gegen die Erreger geimpft wird. In Deutschland war Kinderlähmung praktisch ausgerottet. In einem Dorf bei Oldenburg treten jedoch seit zehn Jahren wieder Fälle auf. Eine Ursache liegt sicher mit darin, dass dort viele Impfgegner leben.

Stand 21.06.2008 (Quelle/Nordkurier: 30.10.2006)