Ärzte mit Wohnung und neuer Klinik gelockt
Wochenende wird der 50. Geburtstag der Neubrandenburger Kinderklinik begangen. In einem kleinen Backsteinhaus wurde der Grundstein gelegt.
VON ANKE BRAUNS. Ein kleiner Schock war’s schon, als Rüdiger Arndt 1976 von der Kinderklinik der Uniklinik Rostock an die Kinderklinik des Kreiskrankenhauses Neubrandenburg wechselte. Von einer „schönen, großen, relativmodernen Klinik in dieses Gemäuer“, wie der 71-Jährige heute lachend sagt. Das Gemäuer ist das Backsteingebäude in der Külzstraße, in dem im Januar 1961 in früheren Wohnungen die erste Kinderabteilung der Stadt eingerichtet worden war. „Das hätte ich nie gemacht, wenn ich nicht gewusst hätte, dass was Neues entsteht“, meint er. Denn 1979 wurde das neue Krankenhaus in der Oststadt übergeben und Anfang 1981 war auch die neue Kinderklinik bezugsfertig. In diesem Jahr feiert sie 50. Geburtstag und das wird morgen mit einer Festveranstaltung und am Sonnabend mit einem wissenschaftlichen Symposium begangen. Das schönste Geburtstagsgeschenk ist zweifellos die neue Klinik selbst, die im Dezember 2010 übergeben wurde.
Das findet auch Dr. Rüdiger Arndt, in dessen Zeit als Chefarzt von 1987 bis 2002 der Klinik-Neubau bereits angeschoben wurde.
Während ihn in den 70-er Jahren vor allem die Aussicht auf das neue Krankenhaus in der Oststadt nach Neubrandenburg lockte, war es bei Dr. Regina Beckmann eine „schöne Wohnung auf dem Datzeberg. Das war der Auslöser und ich habe den Schritt nie bereut“, sagt sie. 1974 begann sie ihre FacharztAusbildung für Kinderheilkunde fürs Landambulatorium Friedland am Kreiskrankenhaus in Neubrandenburg und ist dem Klinikum seither treu geblieben. Mit fast 37 Dienstjahren in der Kinderklinik hat sie inzwischen wohl auch die dienstälteste Krankenschwester eingeholt.
Regina Beckmann und Rüdiger Arndt können sich gut an die eher bescheidenen Bedingungen im kleinen Backsteinhaus neben dem Klinikgebäude in der Külzstraße und im Anbau mit der Kinder-Infektionsstation erinnern. „Aber es war ein großer Fortschritt, dass es damit in der Region überhaupt etwas gab, Kinderstationen hatten vorher nur Greifswald und Rostock“, sagt Rüdiger Arndt. Die ersten Chefärzte seien Dr. Nagel und Dr.Mieler gewesen, unter denen sich die Kinderklinik zu profilieren begann. Mit dem Status als Bezirkskrankenhaus 1978 sei Dr. Esterl aus dem Vogtland Chefarzt geworden. „Verschiedene Ärzte haben verschiedene Spezialisierungen mitgebracht, so dass sich die Kinderklinik immer weiter entwickeln konnte“, sagt Rüdiger Arndt.
Mediziner mit Schwerpunkten wie Lungenerkrankungen bei Kindern, Neonatologie, Neuropädiatrie oder Kardiologie kamen an die Klinik. „Wir haben ein so umfangreiches Profil entwickelt, dass wir fachlich einer Uniklinik gleich kamen“, erklärt er.
In seine Zeit als Chefarzt fiel die Wende. Er erinnert sich an eine anstrengende Zeit zwischen erheblicher Bettenreduzierung und Personalmangel, aber auch an eine Zeit mit vielen neuen Chancen, das Profil der Kinderklinik zu schärfen. So baute die Einrichtung das erste Schlaflabor für Kinder in Mecklenburg-Vorpommern auf. Lange habe man darauf gedrängt, alles, was im Klinikum Kinder betrifft, in einem Haus unterzubringen. Heute ist es Realität. Im Zentrum für Kinderund Jugendmedizin sind die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und die Klinik für Kinderchirurgie unter einem Dach vereint.
Für Regina Beckmann ist nicht nur das ein toller Fortschritt. Das ganze Konzept der Kinder- und Jugendmedizin habe sich erheblich verändert und im neuen Haus könne man dem Rechnung tragen.
„Zum Beispiel waren die Bedingungen in der alten Klinik für Eltern, die mit ihren Kindern hier bleiben wollten, zumTeil eine Zumutung“, sagt sie. Heute gehöre der offene Umgang mit den Eltern, der rege Kontakt zum Konzept. Jetzt, wo das neue Haus Wirklichkeit geworden ist, wollte die 62-Jährige Leitende Oberärztin vorzeitig in den Ruhestand gehen, aber wegen der schweren Erkrankung des Chefarztes verlängert sie ihren Dienst. Trotz der personellen Sorgen freut sie sich, dass die veränderten äußeren Bedingungen „sehr zur Patientenzufriedenheit beigetragen“ haben.

