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Buntes Waschgel kann für Knirpse gefährlich werden

Im Klinikum sind innerhalb kurzer Zeit drei Kleinkinder mit Reizungen und Verätzungen behandelt worden. Waschmittel in bunter Verpackung ist die Ursache. Das können Eltern leicht vermeiden und bei einer anderen Gefahr ist das noch wichtiger.

Buntes Waschgel kann für Knirpse gefährlich werden

Reingungsmittel sind für Kinder gefährlich. Es gibt derzeit eine Häufung von Gesundheitsschäden, wie Dr. Sven Armbrust zu berichten weiß.

NEUBRANDENBURG. Kinder mögen buntes Essen. Smarties, Gummibärchen, Kuchen mit farbigen Zuckerstreuseln – warum sollen da nicht auch diese bunten, weichen Dinger schmecken. Was erfunden wurde, um Wäsche sauber zu machen, macht offensichtlich Kleinkindern Lust aufs Reinbeißen. Innerhalb weniger Wochen hat die Kinder- und Jugendklinik des Dietrich-Bonhoeffer Klinikums jetzt bereits das dritte Kind behandelt, das in Gelkissen mit Waschmittel – in diesen Fällen „Ariel pods“ – gebissen und sich durch den Kontakt mit dem Waschmittel milde Reizungen oder Verätzungen zugezogen hat. Nach Angaben von Chefarzt Dr. Sven Armbrust waren die Kinder zwischen knapp zwei und zweieinhalb Jahren alt. „Das klassische Alter, wo man was findet und in den Mund steckt“, sagt er.

Den Mediziner erinnert das an andere Vorfälle, als statt der klassischen, ziemlich ätzenden Klosteine kleine Gelpäckchen mit WC-Reiniger zum Einhängen ins Toilettenbecken aufkamen, die gern mal von Kleinkindern rausgeangelt und in den Mund gesteckt wurden. „Die WC-Enten bestehen aber vorwiegend aus Tensiden. Wenn Kinder da reinbeißen, schäumt es, ist jedoch ungefährlich“, so Sven Armbrust. In diesen Waschmittelpäckchen aber sei der Inhalt hoch konzentriert, deshalb traten die Reizungen äußerlich, im Mund- und oberen Halsbereich auf. „Die Kinder waren nicht lange stationär bei uns, aber das ist vermeidbar“, meint der Chefarzt. Seines Wissens nach sei das Problem beim Hersteller inzwischen bekannt und es gebe Überlegungen, die lösliche Hülle mit Bitterstoffen zu versehen.

Den wichtigsten Beitrag, solche Vergiftungen zu vermeiden, könnten aber die Eltern selbst leisten – und solche Waschmittel in ausreichender Höhe aufbewahren. Das gilt auch für einen gefährlichen Klassiker: Dass Knirpse Pillen vom Nachtschrank nehmen und essen, komme ziemlich regelmäßig vor, so Sven Armbrust, „vor allem, wenn Enkel bei Oma und Opa zu Besuch sind“. Es habe schon einen Fall in der Klinik gegeben, wo ein zweijähriges Kind Diabetes-Medikamente der Oma genommen hatte und dadurch mit einer schweren Behinderung leben musste.

Pilzvergiftungen bei Kindern seien zum Glück sehr selten. Er habe überhaupt den Eindruck, dass die Zahl der Vergiftungen bei Kindern eher rückläufig sei. „Aber es kommen eben immer wieder neue Dinge auf den Markt, die neue Gefährdungen darstellen, wie eben diese Art Waschmittel“, sagt er. Dagegen gebe es mit Nagellack kaum noch Probleme, seitdem die Produkte alle frei vom Lösungsmittel Aceton seien. Und auch bei den wirklich gefährlichen Lampenölen sei die Zahl der Fälle deutlich geringer geworden – vielleicht auch dank Sicherheitsverschluss.

Anke Brauns

Stand 18.10.2016 Quelle: NK161013