Sections
Personal tools
Navigation
zertifiziert nach
Ausgezeichnet
 
start » kjm » Nachrichten » Große Sorge um die Allerkleinsten

Große Sorge um die Allerkleinsten

Ein Kind zur Welt zu bringen, ist für alle Mütter ein intensiver Moment, dem sie lange entgegen fiebern. Aber manchmal haben es die Kleinen zu eilig und warten ihre neun Monate nicht ab. Das Klinikum lud zum 1. Frühchentreffen ein.

Große Sorge um die Allerkleinsten

Unerwartet großer Andrang: Zum Frühchentreffen ins Klinikum kamen mehr als hundert Frühchen samt Eltern und Geschwistern – circa 40 wurden erwartet.

Die Geburt ihres Sohnes hatte sich Magdalena Winkel anders vorgestellt. Bereits nach der 25. Schwangerschaftswoche konnte der kleine Hubert nicht mehr warten. Mit einem Geburtsgewicht von einem Kilo brachte er deutlich weniger auf die Waage als die durchschnittlich 3500 Gramm. „Als Mutter hatte ich natürlich große Angst. Ein Berliner Spezialist musste Hubert nach Infektionen und Komplikationen am Herz operieren“, sagt die Burg Stargarderin. Aber auf der NeonatologieStation im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum wurden die 35-Jährige und ihr Baby optimal versorgt. „Drei Monate lag Hubert auf der KinderIntensivstation, dann ging’s zum ersten Mal nach Hause.“

Seit 1981 werden in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Frühgeborene auf einer Spezialstation betreut. Das Ärzte- und Schwesternteam unter der Leitung von Chefarzt Dr. Sven Armbrust besteht derzeit aus rund 25 Kollegen, die im Drei-Schicht-System rund um die Uhr für die Versorgung der kleinen Problemfälle bereit stehen. Im Vergleich zu 1981 haben sich die medizinischen Möglichkeiten heute drastisch verbessert. „Ultraschall gab es früher noch nicht. Beatmet wurde mit einer Art Luftpumpe und bei Augenentzündungen mussten wir lasern, was wir heute erfolgreich durch Medikamente behandeln“, erklärt Armbrust. Auch gute Darmbakterien und künstlichen Lungenschleim können die Ärzte den Babys jetzt geben und sie mit Magensonden ernähren. Damit erhöhen sich die Überlebenschancen der Frühchen enorm. „Gewichtsklassen von 300 bis 500 Gramm wären mit den medizintechnischen Bedingungen von 1981 nicht lebensfähig gewesen“, sagt der Arzt. „Heute können auch extrem Frühgeborene sanft groß werden.“

Trotzdem versuchen Ärzte, zu früh einsetzende Wehen aufzuhalten. Denn der Mutterleib, der „natürlichste Brutkasten“, so Armbrust, ist nach wie vor die ideale Umgebung für das heranwachsende Baby. Das erlebte auch die heute 63-jährige Gisela Behrendt. Sie schenkte 1981 Zwillings-Frühchen das Leben - als erste Frau auf der neuen Station. „Ich war in der 32. Schwangerschaftswoche und hatte sehr großes Glück“, erinnert sie sich. „Christian und Karsten kamen am 8. Februar auf die Welt.“ 14 Tage vorher eröffnete die Station und konnte sich der Spezialbehandlung der Kleinen widmen.

Das Einzugsgebiet reicht weit über die Stadt hinaus

Schäden tragen die ungeduldigen Babys nicht davon. „Sie sind zwar lange zu klein und zu leicht für ihr Alter, holen das aber im Laufe der Entwicklung wieder auf“, erklärt Armbrust. Viele haben allerdings eine hohe Stirn, was mit der Luftversorgung zusammenhängt. Circa 100 Frühchen zählt die Klinik pro Jahr - bei einer Gesamtmenge von 900 Neugeborenen sind das acht bis zehn Prozent. Dabei dürfen nicht nur Neubrandenburger zu früh kommen, denn das Einzugsgebiet der Station reicht über den Landkreis hinaus bis nach Gransee (Landkreis Oberhavel). „Bei Notfällen fahren wir mit Transportinkubator ins Umland und holen die Patienten ab“, erklärt Elke Walter, Fachkinderkrankenschwester. Die Mütter werden ebenfalls betreut, unter anderem durch Seelsorger. „Für viele Frauen ist es erst mal ein Schock, das eigene Baby an Schläuche angeschlossen im Brutkasten liegen zu sehen. Wir stehen ihnen bei, führen sie langsam an die spezielle Pflege heran.“

Eine allgemeingültige Begründung, wieso Kinder zu früh auf die Welt drängen, gibt es übrigens nicht. „Häufig sind es zwar Kinder, bei denen wir bereits im Mutterleib Fehlbildungen diagnostizieren“, sagt der Chefarzt. „Aber auch viele gesunde Zwillinge sind einfach zu früh dran. Prinzipiell kann es jeden erwischen.“

Wenn alles überstanden ist und der kleine Patient zu Hause wohnt, finden regelmäßige Kontrolluntersuchungen statt. Verläuft die Entwicklung stabil, atmen Eltern, Schwestern und Ärzte auf. Die aufgeweckten Kleinen jetzt fröhlich mit Geschwistern und Eltern herumwuseln zu sehen, ist für alle die größte Freude.

Stand 23.09.2013 Quelle: NK130919