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Klinik und Hochschule legen das „Ohr“ an die Mutterbrust

Stillen ist gut fürs Kind, das weiß jeder. Warum trotzdem viele Mütter schon nach wenigen Wochen auf Flaschennahrung umsteigen? Klinikum und Hochschule wollen es in einer Studie herausfinden und sind dabei auf viele Familien angewiesen. Ein Beitrag von Anke Brauns

 Klinik und Hochschule legen das „Ohr“ an die Mutterbrust

Etwas Besseres als Muttermilch kann einem Baby nicht passieren. Trotzdem stillen viele Mütter nur wenige Wochen.

NEUBRANDENBURG/WAREN. Viel Zeit hat Steffi Smolengo nicht, ihr Blick geht immer wieder zur Uhr. Ihr kleiner Sohn wird bald Hunger haben. Die Kinderkrankenschwester ist stillende Mutter.

Da ist das Thema, das sie im Rahmen ihres Masterstudiengangs Pflegewissenschaft/ Pflegemanagement gemeinsam mit Katja Kühn in Angriff genommen hat, wirklich passend. In einer Studie wollen beide gemeinsam mit der Neubrandenburger Hochschule und dem BonhoefferKlinikum herausfinden, warum sich Mütter für oder gegen das Stillen entscheiden und wie lange sie stillen. Deshalb haben jetzt Familien von 2600 Kindern, die 2011 und 2012 in Neubrandenburg und Waren das Licht der Welt erblickten, Post bekommen (der Nordkurier berichtete).

Die Idee für das Projekt ist in der Klinik geboren. Oft hören Ärzte und Schwestern von Müttern, dass sie mit dem Stillen schon nach wenigen Wochen aufgehört haben. Verlässliche Erhebungen gibt es für die Region aber nicht. In Berlin und Bremen kamen Studien zu dem Ergebnis, dass viele Frauen nach sechs bis acht Wochen abstillen. Eine Zeit, in der Kinder oft Entwicklungsschübe durchmachen, die mit größerem „Appetit“ verbunden sein können, und oft auch der regelmäßige Besuch der Hebamme endet. Aber sind das Ursachen fürs zeitige Abstillen?

Stillen ist gut fürs Kind. Preiswert und jederzeit verfügbar ist die Milch aus der Brust auch. Warum entscheiden sich trotzdem viele Mütter schon früh für Flaschennahrung? Vermutungen gibt es viele, aber jetzt wollen es Hochschule und Klinikum genau wissen und daraus Lösungen ableiten, wie man Mütter zum längeren Stillen motivieren, sie besser beraten und unterstützen kann.

Anonymität wird bei der Befragung garantiert
Dabei sind diejenigen, die das Stillen früh aufgeben, nur eine Seite. „Wer schon mit der Grundeinstellung kommt: Ich will nicht stillen – den kriegen wir auch nicht mehr“, ist sich Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, bewusst. Deshalb sei es auch interessant, in der Studie zu beleuchten, „wie sich die Frauen vorher mit dem Thema befasst haben“.

Außerdem wird erfragt warum sie gestillt oder nicht gestillt haben, wie sie im Krankenhaus informiert wurden, welche Nachsorgeangebote sie nutzten, ob sie einen Ansprechpartner bei Stillproblemen hatten. Im Klinikum ist das beispielsweise Stillschwester Vera Risy, bei der viele Frauen noch anrufen, wenn sie wieder zu Hause sind. Viele Mütter nutzen zum Austauschen und Nachfragen zudem den Stilltreff im Klinikum jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr, erzählt sie.

Auf Anonymität können sich die Familien verlassen, wenn sie die Fragebögen ausfüllen. Mit den persönlichen Daten kommen die „Auswerter“ nicht in Berührung. Ursprünglich wollten Steffi Smolengo und Katja Kühn eine Studie für die ganze Mecklenburgische Seenplatte vorlegen und deshalb neben Neubrandenburg und Waren auch die Kliniken in Neustrelitz und Demmin ins Boot holen. „Dort hatte man aber datenschutzrechtliche Bedenken und wir hätten erst noch das Einverständnis aller Mütter einholen müssen. Aber das hätte den Kostenrahmen gesprengt“, sagt Katja Kühn. Rund 6500 Euro haben sie für Material und Versand gebraucht und sind froh, dass die hochschulinterne Forschung 4000 Euro zur Verfügung stellte. Sollte die Studie aber in Zukunft fortgeführt werden, wollen auch Neustrelitz und Demmin dabei sein.

Stand 25.02.2014 Quelle: NK140221