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Beim Kopf haben wir nicht viel Zeit

Im Klinikum gib es seit einigen Jahren eine Spezialstation für Schlaganfälle. Wer Symptome spürt, sollte sich schnell in Behandlung begeben.

Beim Kopf haben wir nicht viel Zeit

Dr. Torsten Rehfeldt misst bei einer Patientin auf der Schlaganfall-Station mit einem kleinen Ultraschallgerät die Fließgeschwindigkeit in den Gefäßen

VON ANKE BRAUNS MEDIZIN NEUBRANDENBURG. Im Frühjahr hatte sie kurze Sehstörungen. Sie fragte sich schon, was das sein könnte, aber weil es von allein verschwand, hat sie es nicht ernst genommen. Vor wenigen Tagen waren es dann Sprachstörungen. Sie hat dreimal Anlauf genommen, den Satz aber einfach nicht rausgebracht. Das hat ihr doch Angst gemacht und sie ist zum Arzt gegangen. Jetzt liegt die Rentnerin auf der Spezialstation für Schlaganfall im Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum. So wie ihr geht es vielen Schlaganfall-Patienten. „Das Problem ist, die wenigsten nehmen die Symptome ernst.

Wenn sie Lähmungserscheinungen haben, denken die Leute, das wird schon wieder. Denn im Gegensatz zum Herzinfarkt verläuft ein Schlaganfall zu über 99 Prozent schmerzlos“, erklärt Dr. Torsten Rehfeldt, Leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik.

Seit 2004 gibt es im Klinikum eine „Stroke Unit“ – eine spezialisierte Schlaganfallstation, seit 2007 ist sie zertifiziert nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft.

Hier sind die Kompetenzen in Sachen Schlaganfall gebündelt. 2007 wurden auf der Station 580 Patienten behandelt, im vergangenen Jahr waren es 690. „Heute können wir nicht nur die Folgen, sondern den Schlaganfall an sich behandeln, aber beim Kopf haben wir nicht viel Zeit. Das Gehirn kommt nur ein paar Minuten ohne Sauerstoff aus, sonst sind die Nervenzellen tot“, erklärt der Mediziner, warum schnelles Handeln bei Symptomen wie halbseitigen Lähmungen oder Gefühlsstörungen, Sprachoder Sehstörungen, manchmal auch Schwindel und Gleichgewichtsstörungen so wichtig ist. Bei einer so genannten Thrombolyse erhalten Patienten mit akuten Durchblutungsstörungen ein Medikament, welches das Blutgerinnsel, das im Gefäß festsitzt, wieder auflöst. „Aber man hat maximal viereinhalb Stunden Zeit, bis die Behandlung beginnen muss.“ Auf einer Stroke Unit werden aber nicht nur die ersten diagnostischen Maßnahmen zur Abklärung der Ursache ergriffen. „Die Leute werden auch so schnell wie möglich wieder mobilisiert, sollen bald wieder gehen. Bestehende schlaganfallbedingte Defizite wie Sprach und Schluckstörungen werden ebenfalls behandelt“, erklärt Torsten Rehfeldt. Obwohl die Entwicklung so weit fortgeschritten ist, sterben nach seinen Angaben 40 Prozent der Patienten innerhalb des ersten Jahres nach dem Schlaganfall. „Es ist die dritthäufigste Todesursache und vor allem ist es im Erwachsenenalter die häufigste Ursache für eine lebenslange Behinderung“, sagt er. Mit diesen Beeinträchtigungen stünden Patienten und ihre Angehörigen oft allein da, wenn sie erst wieder zu Hause sind.

Das ist einer der Gründe, warum Torsten Rehfeldt die Neugründung einer Selbsthilfegruppe Schlaganfall wieder mit angeschoben hat und diese Gruppe unterstützen möchte. „Betroffene und Angehörige brauchen die Möglichkeit, sich zu treffen, auszutauschen, über Hilfen zu informieren und vielleicht auch gemeinsam etwas zu unternehmen“,meint der Mediziner.

Am Dienstag, 7. Juli, soll um 16.30 Uhr bei der DRK-Selbsthilfekontaktstelle in der Robert-Blum-Straße 32 eine Selbsthilfegruppe Schlaganfall neu gegründet werden. Zur Auftaktveranstaltung mit Dr. Torsten Rehfeldt sind Betroffene, Angehörige, aber auch Helfer willkommen. Um Anmeldung wird gebeten unter

FOTO: A. BRAUNS

Stand 19.11.2009 Quelle: NK090701