Sections
Personal tools
start » neu » Nachrichten » Leben ganz auf die Arbeit eingestellt

Leben ganz auf die Arbeit eingestellt

ABSCHIED Die Chefärztin für Neurologie des Klinikums geht in den Ruhestand. Der Bethesda-Klinik bleibt Dr. Barbara Bauer aber noch erhalten.

Leben ganz auf die Arbeit eingestellt

Am liebsten kümmert sie sich um die Patienten, aber zur Arbeit als Chefärztin gehört auch viel Schreibkram.

VON ANKE BRAUNS / NEUBRANDENBURG. Endlich in Rente gehen zu dürfen und das Leben zu genießen, ist der Traum viele Menschen. Dr. Barbara Bauer hat solche Träume nicht. Heute wird die 65-jährige Chefärztin der Neurologie im Klinikum offiziell verab schiedet. Ein schwerer Tag für sie gibt sie zu. „Mein ganzes Leben ist auf die Arbeit eingestellt“, sagt die Medizinerin. Bis heute hat sie Zehn- bis Zwölf-Stunden-Arbeits tage. Von hundert auf null, das wäre nicht gut, weiß sie. Deshalb ist sie glücklich, dass man ihr angeboten hat, die Bethesda-Klinik, deren Chefärztin sie ebenfalls ist, noch zwei Jahre in Teilzeit zu leiten.

Barbara Bauer ist Ärztin mit Leib und Seele. „Meine Lehrer wollten unbedingt, dass ich Lehrer werde, aber das wollte ich gar nicht“ erzählt die gebürtige Thüringerin die in Jena Medizin studierte. Die Neurologie habe sie damals schon besonders interessiert. Wie man mit einfachen Hilfsmitteln wie Re flexhammer oder Wattestäbchen neurologische Ausfälle lokalisieren konnte, habe sie fasziniert. An Computertomographie oder Magnetresonanztherapie war in den 60er-Jahren nicht zu denken. „Man konnte für die Patienten damals so wenig tun. Es hat mich gereizt, dass auf dem Gebiet noch so viel zu tun war“, sagt Barbara Bauer.

Sie promovierte, absolvierte ihre Facharztausbildung für Neurologie und Psychiatrie und fand ab 1976 an der Universitätsnervenklinik in Rostock ihr Spezialgebiet: bösartige Tumorerkrankungen in Gehirn und Rückenmark. Sie baute eine Kombinationstherapie aus Bestrahlung und Chemotherapie auf, entwickelte mit Kollegen Betreuungskonzepte für diese Patienten. Im Norden wurde sie zur „überzeugten Wahl-Mecklenburgerin“.

1988 verteidigte Barbara Bauer ihre Habilitationsschrift, bekam damit das „habil“ hinter ihren Dr. med. Danach ging sie für ein Jahr nach Äthiopien, wo sie Studenten unterrichtete und als Ärztin arbeitete. „Das war ein wichtiges Jahr für mich, in dem ich menschlich sehr gereift bin“, sagt sie. „Wenn Sie Mütter schreiend durchs Krankenhaus rennen sehen, weil ihr Kind verhungert ist – das vergessen Sie nie.“

Sechzehneinhalb Jahre ist sie nun Chefärztin der Neurologie. „Ich liebe diese neurologische Klinik mit ihren Patienten und Mitarbeitern und habe viel Unterstützung bekommen“, sagt sie. Weil die Klinik so gute Voraussetzungen bot, gründete Barbara Bauermit ihren Kollegen 1994 ein neuroonkologisches Zentrum, in dem Fachleute mehrerer Bereiche bei der Behandlung von Tumorerkrankungen des Nervensystems zusammenarbeiten. Stolz ist sie auch darauf, dass es ihrem Team gelungen ist, eine „zertifizierte überregionale Stroke unit“ – eine Spezialstation für Schlaganfälle – aufzubauen. Darüber hinaus richtete sie eine Sprechstunde für Menschen mit Hirntumoren ein. „Diese Patienten haben bis heute eine begrenzte Lebenserwartung. Es ist wichtig, dass sie diese Zeit mit ihren Familien verbringen können und ambulante Therapien bekommen. Diese Sprechstunde hat sie im Juni an Oberarzt Matthias Müller-Fritz ab gegeben. „Ich kann jetzt gut loslassen, weil ich weiß, er macht da sehr gut“, sagt sie. Auch die anderen Bereiche der Neurologie weiß sie bei ihren Kollegen in guten Hän den. Das erleichtert den Abschied.

Stand 21.12.2009 Quelle: NK091216