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Mit jeder Sekunde geht mehr Gehirn verloren

„Akutbehandlung von Schlaganfällen“ war das Thema des neunten Schlaganfall-Aktionstages. Das Klinikum Neubrandenburg hatte geladen und zahlreiche Besucher folgten dem Ruf.

Mit jeder Sekunde geht mehr Gehirn verloren

Besucher des neunten Schlaganfall-Aktionstages hörten nicht nur Spannendes aus der Akutbehandlung, sondern konnten sich auch direkt untersuchen lassen

„Jede Minute zählt.“ Darauf wies Torsten Rehfeldt, der Leiter der Stroke Unit, die Besucher im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum mehrfach eindringlich hin. Die Stroke Unit ist die Abteilung für Patienten mit Schlaganfall. Diese verfügt über ein Spezialistenteam der verschiedenen Fachrichtungen wie etwa Neurologie, Physiotherapie und Logopädie. Patienten mit der Diagnose Schlaganfall könnten dort kompetent versorgt werden ohne jedes Mal auf eine andere Station verlegt zu werden, wie Rehfeldt während seines Vortrages erklärte.

Zusammen mit Oberarzt Steffen Reißberg von der Abteilung Neuroradiologie, erklärte er den Interessenten, wie die Versorgung von Schlaganfall-Patienten funktioniert. Dabei machten beide deutlich, welche Symptome bei einem Gehirninfarkt auftreten können. Seh- oder Sprachstörungen, halbseitige Lähmungserscheinungen oder herabhängende Mundwinkel sollten alle Alarmglocken schrillen lassen. Es sei besser, den Notarzt einmal zu viel als einmal zu wenig zu rufen, sagte Torsten Rehfeldt im Gespräch mit den Besuchern.

Die 70 Besucher des Aktionstages stockten, als der Experte erzählte, dass bei jedem Schlaganfall das Gehirn um etwa 36 Jahre altere. Je länger ein Schlaganfall also unerkannt bleibt, desto schlimmer wird es – deswegen zählt wirklich jede Minute.

Bianca Kampe ist erst 35 Jahre alt und gehörte damit zu den jüngeren Besuchern. Dass ein Schlaganfall nicht vom Alter abhängig ist, zeigt ihr Beispiel: „Ich hatte im letzten Juli einen Schlaganfall und lag hier im Klinikum auf der Stroke Unit. Die Behandlung war erstklassig. Ich habe keinerlei Folgen und bin wieder ganz gesund.“ In den ersten Monaten hätte sie noch extreme Angstzustände gehabt, doch heute wisse sie, dass ein Schlaganfall nicht einfach zurückkehre. Über weitere Vorsorgemaßnahmen wollte sie sich dennoch informieren.

Viel körperliche Aktivität und gesunde Ernährung können das Risiko verringern. Zudem sind regelmäßige Untersuchungen sinnvoll. Parameter wie Blutdruck, Blutzucker, Größe und Bauchumfang wurden daher direkt vor Ort gemessen. Eine lange Schlange der Besucher zeigte das rege Interesse. Zusätzlich konnten die Besucher ihren Arm-Bein-Index ermitteln lassen, der bei der Erkennung von Durchblutungsstörungen hilft und auch ein Ultraschall der Halsschlagader wurde durchgeführt.

Dieter Schlupper war das vierte Mal beim Aktionstag: „Unsere Tochter hatte im Alter von 42 Jahren einen Schlaganfall. Daher möchte ich vorsorgen und mich informieren. Die Tage sind jeweils zu einem anderen Thema, deswegen ist es immer wieder interessant.“ Kontakt zur Autorin: a.rau@nordkurier.de

Stand 31.01.2013 Quelle: NK121124