Sections
Personal tools
start » or1 » Nachrichten » Jetzt läuft es wieder wie geschmiert

Jetzt läuft es wieder wie geschmiert

Hüftprobleme schränken Betroffene in ihrer Lebensqualität stark ein. Der Einsatz einer Endoprothese bringt nicht nur Linderung. Nach der Operation ist sogar wieder sportliche Betätigung auf hohem Niveau möglich.

Manch Jüngerer wird verstohlen bewundern, mit welcher Energie und Disziplin die Mittfünfzigerin dreimal in der Woche ihr zweistündiges Trainingspensum in einem Neubrandenburger Fitnesscenter absolviert. Ältere, zumal Sportbegeisterte, werden sich weniger wundern: Schließlich war Anita Marg in den 1970er-Jahren, als sie noch Anita Weiß hieß, eine erfolgreiche 800Meter- und 400-Meter-Hürdenläuferin. Gold über 800 m bei den Halleneuropameisterschaften 1975 und der Weltrekord 1976 mit der 4-mal-800Meter-Staffel – zusammen mit Elfi Zinn, Gunhild Hoffmeister und Ulrike Klapezynski bewältigte sie die Strecke in 7:54,2 min – waren die größten sportlichen Erfolge der für den SC Neubrandenburg startenden Athletin.

Warum also soll sie nicht auch heute noch sportlich aktiv sein? Ganz einfach:Weil ihre Knochen – oder richtiger: ihre Gelenke – ihr lange Zeit einen Strich durch diese Rechnung machten und die 57-Jährige deshalb heute ein künstliches Hüftgelenk hat.

Nein, der Sport sei nicht schuld daran, winkt Anita Marg ab. Als sie sich 1980 aus dem aktiven Leistungssport verabschiedete, war sie ganz einfach zum zweiten Mal schwanger. „Außerdem habe ich studiert – da blieb für Sport kein Platz. Zumal dann auch noch ein drittes Kind kam“, erzählt sie. Und um ihre Figur – derentwegen viele andere Frauen dann irgendwann doch wieder mit dem Training beginnen – musste sie sich nie Gedanken machen. „Na gut, als selbstständige Versicherungsvertreterin bin ich natürlich auch immer in Bewegung. Gerade jetzt zumJahresende,wo viele über einen Wechsel der Autoversicherung nachdenken, geht es ununterbrochen treppauf treppab.“ Bei den Kundenbesuchen bemerkte Anita Marg seinerzeit auch zuerst, dass etwas mit ihren Hüftgelenken nicht stimmte. Mal kam sie nicht auf den angebotenen Stuhl hinunter, mal konnte sie nicht wieder aufstehen. „Es passierte dann schon mal, dass ich mich beim Kunden erst wieder aushängen musste – ich hab mich da also richtig in den Türrahmen gehängt, bis die Blockierung und damit auch der Schmerz nachließ.“

Fremd waren ihr die Beschwerden nicht. „Auch mein Vater und mein Onkel hatten Probleme mit der Hüfte“, so Anita Marg. Ihre Ärzte hätten ihr bestätigt, dass solch eine familiäre Häufung bei Gelenkproblemen nichts ungewöhnliches sei.

Ihre Ärzte, das sind Dr. Dirk Ganzer und sein Team der Klinik für Orthopädie am DietrichBonhoeffer-Klinikum in Altentreptow. Nachdem Spritzen nicht geholfen hatten und die Schmerzen in beiden Hüften immer größer wurden, hatte Anita Marg sich 2008 dorthin gewandt. Die Diagnose war schnell gestellt: Ein Gelenkersatz und damit eine Operation waren unumgänglich.

Am 13. August 2008 wurde die Neubrandenburgerin operiert. „Ichweiß das noch so genau, weil damals die Olympischen Spiele in Peking waren – ich hatte ein Einzelzimmer und konnte also alles gucken…“ Die Operation selbst hat Anita Marg wach miterlebt – „fast alle Patienten operieren wir in Spinalanästhesie“, so Chefarzt Ganzer. Das sei körperlich weniger belastend als eine Vollnarkose. Zur Ablenkung gebe es Musik auf die Ohren – „am meisten gehört werden die Kastelruther Spatzen“, erzählt Dr. Ganzer augenzwinkernd. „Ich weiß zwar nicht mehr, was ich damals gehört habe, aber diewaren es garantiert nicht“, betont Anita Marg.

Zehn Tage lang liegt ein Patient in Altentreptow im Anschluss an die Hüftgelenks-OP durchschnittlich im Krankenhaus. „Danach versuchen wir, die Patienten direkt in die Reha zu verlegen“, so der Chefarzt. „Dort fallen unsere Patienten dadurchauf, dass sie anfänglich weniger aktiv sein dürfen. Als eine von ganz wenigen Kliniken verordnen wir nach der OP nämlich statt Vollbelastung zuerst einmal eine Teilbelastung.“ Hintergrund sei, dass sich Muskeln und Sehnen erst einmal erholen sollen. Erst in der letzten Woche der Rehabilitation würde mit der Vollbelastung gestartet – die minimale Komplikationsrate gebe den Altentreptower Ärzten Recht, so Dr. Ganzer.

Und noch eine andere Besonderheit gibt es in der Altentreptower Klinik: „Patienten wollen am liebsten immer das Neuste“, so Dr. Ganzer. „Wir greifen aber auf bewährte Implantate zurück, für die es mindestens Zehn-Jahres-Ergebnisse gibt.“ Das hieße nicht, dass Patienten in Altentreptow schlechter versorgt werden. „Am Implantat an sich gibt es nichts mehr zu verbessern“, betont der Endoprothetik Experte. Bei den Gleitpaarungen, die die Bewegungen übertragen, sollte man hingegen immer die modernste Lösung wählen. „Goldstandard“ seien im Moment KunststoffKeramik-Gleitpaarungen. Dem Kunststoff für die Endoprothesen würde Vitamin E zugesetzt, das beuge der Materialalterung vor. Eine Alternative – insbesondere bei sportlich aktiven Patienten wie Anita Marg – seien auch Keramik-Keramik-Paarungen.

Die Trollenhagenerin merkt schon lange nicht mehr, dass sie eine künstliche Hüfte hat. Zweieinhalb Monate nach der Operation konnte sie wieder arbeiten – und so, wie sie es in der Reha in Bad Doberan begonnen hatte, gehört seitdem auch regelmäßiger Sport wieder zu ihrem Alltag. Der beschränkt sich nicht nur auf die drei wöchentlichen Trainingseinheiten im Fitnessstudio. „Wenn dasWetter es zulässt, sind mein Mann und ich an den Wochenenden viel mit den Rädern unterwegs, da kommen gut und gerne 150 km zusammen.“

Stand 31.01.2013 Quelle: NK121123