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Seidenraupe hilft mit bei Heilung von Kreuzbandrissen

Amerikaner sind derzeit häufiger zu Gast in der orthopädischen Klinik am Klosterberg. Nicht als Patienten, sondern als Wissenschaftler

Seidenraupe hilft mit bei Heilung von Kreuzbandrissen

Dr. Uwe Pietzner (l.) mit seinem amerikanischen Kollegen Adrian Orr

VON CHRISTINA WEINREICH ALTENTREPTOW. Bei der Ziege hat‘s wunderbar geklappt, jetzt ist der Mensch an der Reihe. Die orthopädische Klinik des Dietrich Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg – sie hat am Altentreptow Klosterberg ihren Sitz – nimmt derzeit an einer klinischen Studie teil, in der ein neues Implantat bei der Heilung von Kreuzbandrissen geprüft wird. Initiatoren dieser Studie sind amerikanische Ärzte und Naturwissenschaftler aus Boston, die vier europäische Orthopädie-Zentren baten, an der Studie mitzuwirken. Diese befinden sich in Belgien, Österreich sowie in Deutschland – in Heidelberg und in Altentreptow.

In der orthopädischen Klinik am Klosterberg sind in den vergangenen vier Wochen neun Patienten mit der Diagnose Kreuzbandriss mit dem neuen Implantat versorgt worden, berichtet Dr. Uwe Pietzner, der Operateur, während eines gestrigen Pressegespräches. Mangel an derartigen Diagnosen bestehe nicht, was auch mit der derzeitigen Jahreszeit zu tun habe. Nicht wenige Urlauber treten die Heimreise aus den Skigebieten mit einem Kreuzbandriss an. Insgesamt sollen 230 Patienten aus Deutschland und Amerika an der Studie teilnehmen. Natürlich wurde jeder Proband vor dem Eingriff ausführlich informiert und konnte Fragen zur Operation und deren Verlauf stellen.

Im Operationssaal war stets auch Adrian Orr aus Boston dabei. Er leitet dort das Institut, das die Entwicklung des neuen Ersatzes betreibt. Deshalb sind er und eine weitere amerikanische Kollegin zu allen neuen Eingriffen eigens dafür nach Altentreptow eingeflogen, um zuzuschauen, wie ihre Erfindung eingesetzt wird. Das sei ein übliches Verfahren.

Bislang, so Pietzner, wurde bei Kreuzbandrissen den Patienten körpereigene Sehne eingesetzt, die aus dem Beinbereich herausgelöst wurde. „Das neue Implantat wird aus natürlichem Seidenraupeneiweiß hergestellt.

Die vorklinischen Studien haben gezeigt, dass Seide die Fähigkeit besitzt, den Körper wirksam bei der Bildung eines neuen körpereigenen Kreuzbandes zu unterstützen. Und sie wird biologisch abgebaut.“ Seide ist übrigens das älteste natürliche Biomaterial, das in der Medizin Verwendung findet. Die neun Patienten werden jetzt in regelmäßigen Abständen über den Zeitraum eines Jahres in der Klinik untersucht.

„Beim derzeitigen Teil der Studie prüfen wir die Sicherheit des Implantats. Wird es vom Patienten vertragen? Löst es Allergien aus? Das sind einige Fragen, deren Antwort uns interessiert“, sagt der Orthopäde. Der Eingriff dauere ebenso lange wie bei der bisher angewandten Methode, etwas über eine Stunde.

Die Probanden werden im Anschluss von Physiotherapeuten betreut. Für Adrian Orr bedeutet dies, auch in jene Orte zu reisen, in denen die Patienten zu Hause sind, berichtet Pietzner. Also müsse der Amerikaner unter anderem auch nach Stralsund und Greifswald, wo die Nachbehandlung erfolgt und die Therapeuten mit dem neuen OP-Material und seinem Umgang vertraut machen.

Stand 02.03.2009