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Experten machen Füße flott

Dass im Malchiner Krankenhaus Sprechstunde und OP auch mal zweisprachig laufen, ist durchaus üblich. Doch das wird nicht etwa gemacht, um eine weitere Sprache zu festigen. Nein, der Grund ist ein ganz anderer.

Experten machen Füße flott

Die Malchiner Fußexpertin und Chefärztin Angela Simon und der amerikanische Arzt Patrick Sanchez beim Fachsimpeln. Übrigens, unser Fuß hat 26 Knochen und 33 Gelenke.

MALCHIN. An der Stelle wäre für ihn Schluss. In einer großen OP im Malchiner Krankenhaus hat Chefärztin Angela Simon gerade einem Patienten Knochen vom Becken auf den Fuß verpflanzt. Spannend für Patrick Sanchez. Der junge amerikanische Arzt hospitiert in dieser Woche in der Malchiner Fußchirurgie, assistiert auch im OP-Saal. Aber Hand anlegen dürfen hätte er bei einer solchen Operation auch in seiner Heimat nicht. Seine Arbeit geht quasi bis unterhalb des Knies. Für alles Weitere muss ein Chirurg oder Orthopäde mit ran. Sanchez ist Fuß- und Sprunggelenkchirurg. „Das gibt es in Deutschland nicht, dass man sich dazu ausbilden lässt“, sagt Dr. Simon. „In Amerika machen sie es drei Jahre und sind dadurch enorm spezialisiert.“

Und im dritten Jahr rät der Leiter des Foot & Ankle Institutes Illinois, in dem Patrick Sanchez arbeitet, seinen Assistenzärzten zudem zum Fellowship, einer ärztlichen Weiterbildung in Europa, um auch andere Länder und andere Techniken kennenzulernen. „Das bereichert ungemein, und zwar beide Seiten“, weiß die Malchiner Chefärztin, die bereits 14 amerikanische Ärzte hier betreute. Die von ihr geleitete Malchiner Klinik gehört zu den europäischen Krankenhäusern, in denen regelmäßig amerikanische Ärzte als Hospitanten zu Gast sind.

So laufen Sprechstunde und OP also gerade mal wieder zweisprachig. Und die Tage im Krankenhaus sind voll ausgefüllt. „Ich trage hier zwar nicht die Verantwortung, aber alles ist neu, dann die fremde Sprache, das ist auch anstrengend“, sagt der 28-Jährige. Obwohl er ein straffes Programm sehr wohl kennt. Im ersten Jahr zum Beispiel habe er zwölf Stunden am Tag gearbeitet, dadurch lerne man aber auch ganz viel. Urlaub gebe es nur eine Woche. Dennoch sei die Arbeit wohl entspannter als hier, weil die Personalsituation besser sei.

In Malchin steht gerade eine Veränderung an. Auch hier spezialisiert sich die Fußexpertin Angela Simon jetzt endgültig auf die Fuß- und Sprunggelenkchirurgie und gibt die Orthopädie in die Verantwortung von Dirk Ganzer und ihren Oberarzt. „Weil ich es nicht mehr schaffe“, sagt sie.

Die Wartezeit auf eine OP reiche bis November, ihre Sprechstunde sei bis Februar ausgebucht. Und Zeit für jeden Patienten müsse man sich nehmen. Die kommen selbst von Berlin und Hamburg ins Malchiner Fußzentrum, das übrigens 2009 gegründet wurde. „Das Einzugsgebiet ist sehr groß.“ Verstärkung wünscht sich Dr. Angela Simon auch. „Mir fehlt ein Facharzt. Die Stelle ist ausgeschrieben“, verweist sie unter anderem auch auf die Internetseite der Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie unter www.gffc.de.

Simone Pagenkopf

Stand 18.10.2016 Quelle: NK161007