Sektionen
Benutzerspezifische Werkzeuge
start » or2 » Nachrichten » Mediziner antworten

Mediziner antworten

Ich habe starke Schmerzen am Ballen. Mir wurde wegen des Hallux valgus eine Operation empfohlen. Wird dabei das Zehengelenk entfernt?

Dr. Angela Simon, Chefärztin, Klinik für Orthopädie 2, Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg (Malchin)

Heute wird generell angestrebt, das Gelenk zu erhalten. Der Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung der Großzehe (Hallux). Der Mittelfuß verbreitert sich und der Großzeh weicht immer weiter nach außen zu den Kleinzehen ab. Im Extremfall legt sich die große Zehe über die zweite. Die Folge: Am Ballen, dem weit nach innen ragenden und verdickten ersten Mittelfußknochen, entstehen dadurch in den Schuhen schmerzhafte Druckstellen und Entzündungen.

Die Großzehe überlässt das Tragen der Körperlast häufig der zweiten Zehe, welche dann ebenso an der Fußsohle schmerzt und Hornhaut bildet. Durch die abnorme Stellung kommt es zur Verkürzung der Sehnen, was der Fehlentwicklung weiter Vorschub leistet. Den Betroffenen plagen Schmerzen beim Gehen.

Wenn orthopädische Schuheinlagen und Fußgymnastik diese Fehlentwicklung nicht mehr aufhalten können und der Leidensdruck groß ist, muss operiert werden. Während früher häufig das Großzehen-Grundgelenk mit dem störenden Ballen entfernt wurde, können wir heute Gelenk erhaltend operieren.

Der Eingriff erfolgt in der Regel unter regionaler Betäubung des Beines. Bei der Operation werden die Knochen des ersten Mittelfußknochens v-förmig durchtrennt und verschoben, um die Fehlstellung auszugleichen. Die Knochen werden dann in die richtige Position gebracht und mit einer Schraube fixiert.

Bis der Knochen verheilt ist, muss der Patient vier bis sechs Wochen lang einen Spezialschuh tragen, der den Vorderfuß entlastet.

Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Versteifung eines Gelenks manchmal nicht zu umgehen.

Bis zu 25 Prozent aller Deutschen haben mehr oder weniger Probleme mit dem Hallux valgus. Die Ursachen sind vielfältig, meistens zu weiches Bindegewebe, extremes Übergewicht oder auch Überlastung der Füße. Frauen sind viel häufiger betroffen als Männer. Die genetische Veranlagung spielt eine große Rolle. Wer diese kennt, kann mit Zehengymnastik zur Kräftigung der Fußmuskulatur und dem Tragen von Schuhen mit Fußbett gegensteuern. Zu spitze, zu enge und zu hohe Schuhe sind dagegen ein zusätzlicher Risikofaktor.

Stand 20.07.2012 Quelle: NK120712