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Logopädie

Der Begriff „Logopädie“ stammt von dem griechischen Wort logos, d. h. Wort, ab. Damit ist der ursprüngliche Aufgabenbereich aus der Gründerzeit (ca. 1924) dieses Berufes beschrieben: Die therapeutische Hilfe bei Patienten mit gestörter Sprache.

Im Laufe der Jahrzehnte kamen zu diesem ursprünglichen Störungsbereich weitere Tätigkeitsfelder hinzu, sodass in der modernen Logopädie ein sehr vielfältiges Spektrum von Krankheitsbildern behandelt wird: beispielsweise Störungen der Planung der Sprache, der Aussprache, Verstehen von Sprache, Lesen und Schreiben, Stimmfunktion, Funktion der Nahrungsaufnahme und der Mimik.

Logopädische Therapie erhalten sowohl Erwachsene und ältere Menschen als auch Kinder jeglichen Alters. Die Menge der diagnostischen und therapeutischen Verfahren ist dabei sehr groß und sehr differenziert. Deren sinnvolle Auswahl und kompetente Anwendung zu lehren ist Hauptbestandteil der dreijährigen anerkannten Ausbildung zum Logopäden.

Behandlungsschwerpunkte

  • Dysphasie
  • Sprechapraxie
  • Dysarthrophonie
  • Dysglossien
  • Dysphagie
  • Dysphonien
  • Redeunflüssigkeiten (Stottern/Poltern)
  • Näseln
  • Facialisparesen
  • kindliche Sprachstörungen (Sprachentwicklungsstörungen, -verzögerungen, -rückstand, Stammeln, Dysgrammatismus, Mutismus)
  • zentral auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen
  • Sprachstörungen bei Spaltbildungen.

Dysphasie (Aphasie)

Dysphasie bedeutet „Sprachverlust“ und bezeichnet eine Sprachstörung infolge einer Hirnschädigung. Menschen, die von einer Dysphasie betroffen sind, haben Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen.

Sprechapraxie

Die Sprechapraxie kann zusätzlich zu einer Dysphasie auftreten. Hierbei liegt eine Störung in der Planung, Initiierung und Koordinierung der Sprechbewegungen (nicht der eigentlichen Sprache) vor. Es handelt sich nicht um eine Schwäche oder Lähmung der Sprechwerkzeuge, sondern die Patienten sind nicht in der Lage, das gewünschte Wort in der sinnvollen lautlichen Reihenfolge zu sprechen. Die gesprochenen Wörter können dann etwas, aber auch bis zur Unverständlichkeit verändert sein.

Dysarthrophonie/Dysarthrie

Das Krankheitsbild bezieht sich auf eine Störung des Sprechens. Die „Sprechwerkzeuge“ (Lippen, Zunge, Kiefer und Gaumensegel) sind in ihren Funktionsmöglichkeiten eingeschränkt. Sie sind teilweise gelähmt und harmonieren in der Bewegungsführung nicht mehr physiologisch miteinander. Die Artikulation kann verlangsamt, schwerfällig, überhastet oder verwaschen sein. Bei Dysarthrophonien ist die Koordination von Atmung und Stimmgebung betroffen.

Dysglossien

Es handelt sich um eine Störung der Aussprache durch organische Veränderungen der peripheren Sprechwerkzeuge durch Nervenlähmungen mit Atrophie der Muskulatur, durch primäre Muskelatrophien oder nach Tumoroperationen mit ausgedehnten Resektionen in der Mundhöhle.

Dysphagie/Fazio-Orale Störungen

Schluckstörungen werden durch eine Vielzahl von Erkrankungen (neurologische/strukturelle Veränderungen) verursacht. In unterschiedlicher Ausprägung können einzelne oder mehrere Phasen des Schluckvorganges betroffen sein. Das kann dazu führen, dass die Aufnahme von Nahrung erschwert oder ganz unmöglich ist (Dysphagie = Schluckstörung). Unter Umständen muss der Patient vorübergehend oder dauerhaft künstlich ernährt werden. Durch funktionsverbessernde Übungen (Funktionelle Dysphagie Therapie) und mit entsprechend veränderter Kost (z. B. pürierte Nahung, angedickte Getränke) sollte daran gearbeitet werden, dass Nahrung und Flüssigkeiten wieder oral aufgenommen werden können.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Störungsbilder treten meistens nicht isoliert auf, sondern es gibt viele Mischformen, sodass zum Beispiel eine Dysphasie mit Sprechapraxie und fazio-oraler Beeinträchtigung vorliegen kann. Zusätzlich zu den Störungen können u. a. auch verschiedene neuropsychologische Ausfälle (Neglect) oder Störungen der Planung und Ausführung von Gliedmaßenbewegungen bestehen. Somit ist ein intensiver Austausch und ein interdisziplinäres Arbeiten mit Therapeuten anderer Fachdisziplinen (z. B. Ergotherapie, Physiotherapie, Neuropsychologie, Sozialdienst…) und Ärzten erforderlich.

Einen sehr wichtigen Stellenwert nehmen die Pflegekräfte ein. Sie sind durch den nahen Kontakt zu den Patienten in der Lage, über Bedürfnisse, Schwierigkeiten und Fortschritte des Patienten zu berichten und werden andererseits von den Logopäden darüber informiert, was in der Alltagskommunikation oder bei der Einnahme der Mahlzeiten bei einzelnen Patienten zu beachten ist.

Angehörigenarbeit

Parallel zu der Therapie findet die Beratung des sozialen Umfeldes, z. B. der Angehörigen statt. Auf Wunsch der Familienangehörigen können auch individuell telefonisch Beratungstermine vereinbart werden. Ihnen werden die Probleme des Patienten erläutert. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Ehepartner, Lebensgefährten oder Kinder die Kommunikation mit einem Sprech- oder Sprachgestörten wieder erleichtern können. Gegebenenfalls ist auch zu besprechen, was bei der Nahrungszubereitung sowie beim Essen und Trinken im Rahmen einer Schluckstörung zu beachten ist.

Stand 05.01.2009