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Abschied mit Musik: Chefarzt vor Ruhestand

Mehr als 16 Jahre hat Dr. Rainer Gold die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie geleitet. Sein Nachfolger wird Dr. Rainer Kirchhefer NEUBRANDENBURG. Nein, eine Trennungstraurigkeit beschleiche ihn nicht, versichert Dr. Rainer Gold.

Abschied mit Musik: Chefarzt vor Ruhestand

Dr. Rainer Gold freut sich, künftig „auch mehr Zeit für die Familie zu haben“ / Foto: Roland Gutsch

Morgen wird der 63-Jährige als Chefarzt der Neubrandenburger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie feierlich im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in den Ruhestand verabschiedet. Was, wer ihn kennt, nicht wundert: Neben vielen warmen Worten wird es auf Wunsch des leidenschaftlichen Klavierspielers klassische Musikstücke zu hören geben.

„Ich bin ja nicht weg, es gibt noch einiges für mich zu tun.“ Und es sei „der beste Zeitpunkt für die Übergabe“, sagt Gold. Das Feld für Nachfolger Dr. Rainer Kirchhefer ist bereitet. Vor Jahresfrist kam aus Schwerin der lang erwartete und erkämpfte Förderbescheid für den modernen Neubau einer psychiatrischen Klinik auf dem Oststädter Klinikum-Gelände. „Damit erfüllt sich ein großer Wunsch von mir“, so Rainer Gold, dem es wichtig ist, dass mithin die Psychiatrie noch besser in die medizinische Ganzheitlichkeit integriert werden kann. Zudem findet derzeit gerade die Einführung eines neuen Abrechnungssystems für Behandlungen statt – „nicht ohne neue bürokratische Hürden“. Da hineinfitzen darf sich nunmehr der „Neue“.

Sechzehneinhalb Jahre als Chefarzt liegen hinter Dr. Rainer Gold.

Am 1. August 1993 fing er in der Viertorestadt an. Dazu führte quasi eine personelle Notlage. „Man hatte sich damals bereits für einen Interessenten entschieden, doch der trat die Stelle nicht an. Weil dringend jemand gebraucht wurde, ging kurzfristig eine Anfrage an mich. Ich hatte mich gar nicht beworben, aber das Angebot, hier eine Klinik als Gründerchefarzt mit aufbauen zu können, kam mir entgegen und reizte mich“, erinnert sich Gold mit einem Lächeln.

„Von heute auf morgen“ wechselte er aus Berlin, wo er bereits in der Psychiatrie Forschung in leitender Position Erfahrungen gesammelt hatte, nach Neubrandenburg.

Keine halbe Sache: Gold vergrößerte die Schar der Pendler nicht.

Ein halbes Jahr darauf kam seine Frau Christina an den Tollensesee nach, ebenfalls eine Medizinerin, die dann als Oberärztin die Psychotherapie Abteilung leitete. Die Golds verkauften ihr Haus in der Hauptstadt und sind in Podewall vor den Toren Neubrandenburgs heimisch geworden. „Als OstseeFans waren wir vorher hier nur immer durchgefahren. Erst nach dem Umzug erschlossen wir uns Stadt und Gegend – und haben sie schätzen gelernt.“ Auch als Schöngeister fassten die beiden Fuß: „Wir sind Mitgründer des Kammermusikvereins.“ Ihre Konzert-Abos laufen in der Viertorestadt und in Berlin.

Viel Arbeit war in den bejahrten Gebäuden der Klinikum-Außenstelle Külzstraße zu leisten, wo die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie nach und nach wuchs, Bedingungen verbessert wurden. Die momentane Kapazität: Vier vollstationäre Bereiche mit 72 Betten und eine Tagesklinik mit 20 Betten. Der Weg dahin war nicht leicht. „Wir haben in der Vergangenheit natürlich des Öfteren Hoffnungen für einen Neubau gehegt, doch die sind bis Ende 2009 enttäuscht worden.“ Ruhestand – für Gold ein relativer Begriff: Er wird seine Lehrtätigkeit noch einige Zeit fortsetzen, auch Gutachten erstellen, ab April für 20 Stunden pro Woche in der Institutsambulanz arbeiten.

Doch morgen steht zunächst die Ehrung an. Selbstredend mit Musik – „Hausmusik“ sozusagen: Einer der beiden Söhne und die junge Helena, eines der fünf Enkelkinder, sowie Kollegen, Freunde und Bekannte wollen für einen Ohrenschmaus sorgen. Rainer Gold: „Darauf bin ich schon gespannt.“

Stand 20.03.2010 Quelle: NK100112