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Burnout ist mehr als ein Modebegriff

Sind Depressionen und Burnout die neuen Volkskrankheiten? Diese Frage wird in Neubrandenburg beim Gesundheitsforums „Wenn die Seele schmerzt“ diskutiert. Dr. Rainer Kirchhefer, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Bonhoeffer-Klinikums, will Informationen geben und Fragen beantworten. Hartmut Nieswandt sprach mit ihm im Vorfeld zum Anliegen dieses Forums.

Burnout ist mehr als ein Modebegriff

Dr. Rainer Kirchhefer

Alle Welt redet neuerdings von Burnout – ist das eine Modekrankheit und Modeerscheinung?
Burnout ist streng genommen gar keine Krankheit, sondern bezeichnet eher einen Erschöpfungszustand. Den können berufliche, aber auch persönliche Probleme wie Arbeitsüberforderung oder Stress verursachen. Wenn diese Überforderung über längere Zeit anhält, stellen sich typische BurnoutSymptome ein wie etwa Er schöpfung, Konzentrationsminderung, Zynismus. Schließlich kann Burnout ebenfalls zur Depression oder zu einer anderen Krankheit führen. Burnout ist auch ein Modebegriff – tritt aber tatsächlich auf.
Apropos Modewort: Es ist scheinbar angesagt, zu klagen: Ich leide unter Burnout ...
Ja, das wird eher akzeptiert und es klingt besser, als wenn man von einer Depression spricht. Übrigens ist der Begriff Burnout erst 20 oder 30 Jahre alt, damals spielte er in der Fachliteratur zum ersten Mal eine Rolle.
Und woran liegt es, dass dieser Begriff so wichtig wurde?
Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Arbeitswelt immer mehr verdichtet, Stress und Druck nehmen zu. Ein Mensch steckt es weg, der andere nicht. Hinzu kommt, dass das Leben komplizierter wird. Man stelle sich zum Beispiel nur mal vor, welche Anforderungen heutzutage schon ein einfacher Telefonvertrag verursacht, bei dem es Angebote von mehr als 20 Anbietern gibt.
Thema zwei des Gesundheitsforums dreht sich um die Depression. Wie spürt man, dass man daran leidet?
Eine Depression ist begleitet von einem tiefen Gefühl der Traurigkeit. Weitere Symptome sind: Die oder der Betroffene sind schwach, antriebsarm und gleichgültig. Das alles ist mehr als der berühmte Weltschmerz gerade bei jungen Leuten oder der schlechte Tag, den jeder einmal hat.
Ist eine Depression also mehr als eine Gefühlsschwankung? Und was kann man dagegen tun?
Die Depression ist eine Krankheit, die sich über mehrere Wochen oder Monate hinziehen kann. Und sie ist eine häufige Erkrankung, etwa acht Prozent aller Menschen sind davon betroffen. Es kommen also viele Menschen mit dieser Erkrankung in Berührung – sei es als Betroffener oder als Angehöriger. Darum richtet sich meine Einladung zum Forum auch an alle Menschen und keine besondere Gruppe.
Wenn es eine Krankheit ist, gibt es sicher auch wissenschaftlich begründete Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten.
Natürlich. Professionell ausgebildete und erfahrene Mediziner und Therapeuten stellen zum Beispiel ganz gezielte Fragen, um die Symptome zu erfassen. Auf der Grundlage des Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation wird dann eine Diagnose gestellt. Im Umgang mit einem an einer Depression erkrankten nützen Appelle wie „Reiß dich zusammen, es wird schon wieder besser!“ nichts. Man kann Depressionen aber meist sehr gut behandeln, sie sind kein Schicksal, das die oder der Betroffene ergeben hinnehmen muss.
Wie kann die Behandlung aussehen?
Wir haben mittlerweile gute Medikamente, die gezielt die Stimmung verbessern und nicht abhängig machen. Und erfahrene Psychotherapeuten unterstützen die Betroffenen auf dem Weg aus der Depression heraus.

Das Gesundheitsforum des Neubrandenburger BonhoefferKlinikums „Wenn die Seele schmerzt“ beginnt am Montag, dem 13. Oktober, um 17 Uhr in der Bethesda Klinik (Haus G). Der Eintritt ist frei.

Stand 14.10.2014 Quelle: NK141009