Patienten
Informationen für Patienten
Psychische Erkrankungen
Krankhafte Störungen des Erlebens und Verhaltens lösen auch bei denjenigen, die nicht davon betroffen sind, immer noch ein Unbehagen, Angst, Ratlosigkeit und Abwehr aus. Zweifellos ist die Toleranz gegenüber Abweichungen von der Norm im Verhalten und in der Persönlichkeit in der modernen Zeit größer geworden. Diese "Großzügigkeit" gründet sich aber auf die Annahme, dass die betreffenden "Abweichler" prinzipiell aus eigener Kraft zur Selbstkorrektur fähig sind. Psychisch Kranke haben jedoch im Akutstadium die Fähigkeit zur Selbstkorrektur eingebüßt und benötigen deshalb Hilfen. Insofern unterscheiden sie sich nicht von anderen Kranken, denen eine Selbstkorrektur ihres Herzinfarktes, ihres Schlaganfalles, ihres Rheumaleidens oder ihrer Krebserkrankung auch nicht möglich ist.
Psychische Krankheit bzw. psychisches Leiden erfasst zumeist die ganze Persönlichkeit des Menschen und hat häufig erhebliche Auswirkungen nicht nur auf die Lebensqualität des Betroffenen, sondern auch auf die seines Partners und seiner Familie. Nicht selten gibt es einschneidende Veränderungen in den sozialen Beziehungen zu Nachbarn und Arbeitskollegen oder es kommt durch das krankheitsbedingte Fehlverhalten zur Selbstgefährdung oder bei Störsyndromen mit Fremdgefährdung auch zu rechtlichen Konsequenzen.
Zahlreiche MitarbeiterInnen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg, ob ÄrztInnen, Pflegepersonal, PsychologInnen, SozialpädagogInnen, ErgotherapeutInnen, Sport- und PhysiotherapeutInnen haben zur reformpsychiatrischen Entwicklung der eigenständigen Klinik seit der Gründung im Jahre 1993 beigetragen. Sie haben dabei erfahren, wie wichtig es ist, nicht nur die Krankheit als pathologisches Störsyndrom zu behandeln, sondern psychisch Kranke in ihrer biopsychosozialen Einheit der Persönlichkeit zu begreifen und unter Berücksichtigung ihres sozialen Beziehungsgefüges umfassend, d.h.multidisziplinär und mehrdimensional, zu betreuen. Nur so kann heute eine an geltenden Qualitätsstandards orientierte Leistungserbringung für die PatientInnen durchgeführt werden.
Einweisung
Die Einweisungen in die vollstationären und teilstationären Bereiche der Klinik werden von niedergelassenen Ärzten aus dem psychiatrischen und nichtpsychiatrischem Sektor vorgenommen. Im vollstationären Bereich, insbesondere im Suchtbereich, besteht eine besonders enge Zusammenarbeit mit der Notfallambulanz des Klinikums.
Diagnostik
Nach einer eingehenden psychiatrisch-psychopathologischen und psychologischen Diagnostik werden mit der PatientIn die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten beraten und festgelegt.
Diese Diagnostik wird ergänzt durch eine gründliche allgemein-körperliche, neurologische und internistische Zusatzdiagnostik. Sie wird durch die häufig anzutreffende Kombination von psychischen und körperlichen Störungen, z.B. bei Erkrankungen im höheren Lebensalter und bei Suchterkrankungen, notwendig.
Zum Ausschluss bzw. zur Behandlung organischer Ursachen der psychischen Störungen werden dabei die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten des gesamten Klinikums genutzt (z.B. EEG, Sonographie, CCT, MRT, SPECT, interdisziplinäre Konsiliardienste).
Das Behandlungsteam
Das Behandlungsteam besteht aus erfahrenen FachärztInnen, ÄrztInnen, Psychologischen PsychotherapeutInnen, Diplom-PsychologInnen und qualifizierten MitarbeiterInnen des Plegedienstes. Weiterhin arbeiten in unserer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie in der Psychiatrischen Tagesklinik SozialarbeiterInnen, eine Suchttherapeutin, ErgotherapeutInnen, eine Sporttherapeutin, ein Musiktherapeut, eine Tanztherapeutin sowie PhysiotherapeutInnen. Im vertrauensvollen therapeutischen Bündnis setzt unser multiprofessionelles Team alles daran, die psychischen und körperlichen Beschwerden unserer PatientInnen rasch zu bessern, Gesundheit wiederherzustellen oder eine ambulante ärztliche Weiterbehandlung zu ermöglichen..
Die stationäre Behandlung
Die stationäre Behandlung erfolgt auf offenen, gemischt-geschlechtlichen Stationen. Wenn die Schwere der Symptomatik eines Patienten es nicht anders zulässt, können die Stationen für hochakute Störungen (H 01, H 23 und H 21) vorübergehend auch als geschützte Stationen geführt werden. Auf den Stationen werden differenzierte, störungsbezogene und personzentrierte Therapien im Einzel-und Gruppensetting und auch stationsübergreifend angeboten.
In der stationären psychiatrischen Behandlung werden grundsätzlich drei Therapiephasen unterschieden:
- erste Phase:
- In der akuten Phase der Krisenintervention steht die klinisch-pharmakologisch fundierte Arzneimitteltherapie oft im Vordergrund, um akute Störungen und den krankhaften Labilitätszustand rasch zu beenden. Psychotherapie hat stützend-helfenden Charakter.
- zweite Phase:
In der zweiten Phase, der sog. Stabilisierungsphase, werden psychotherapeutische und soziotherapeutische Therapieverfahren stärker in den Mittelpunkt gerückt. Die Arzneimitteltherapie wird auf ein erforderliches Mindestmaß reduziert.
Spezialisierte Therapieangebote sind u.a. tiefenpsychologisch und verhaltenstherapeutisch orientierte Einzel- und Gruppengespräche, kommunikationsorientierte Therapien mit Bewegung und Musik, Entspannungsverfahren (Progressive Muskelentspannung, Qi Gong), stützende Ergotherapie zur Selbstwertfindung, Selbstsicherheitstraining und Hirnleistungstraining.
Die psychotherapeutisch orientierte Gruppentherapie wird für Suchtkranke, Psychosekranke, Kranke mit Hirnleistungsstörungen und depressiv Erkrankte stationsübergreifend angeboten.
- dritte Phase:
- In der dritten Therapiephase, der sog. Belastungsphase, wird das soziotherapeutische Vorgehen bestimmend, um die Entlassung aus der stationären Behandlung vorzubereiten und um einer Rückfallgefährdung vorzubeugen, z.B. durch häusliches Training und Verhaltensübungen auch außerhalb der Klinik.
Die Psychiatrische Tagesklinik
Im Juni 1999 ist die Psychiatrische Tagesklinik mit 18 Plätzen als zusätzliche Abteilung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie eröffnet worden. Die sog. teilstationäre Behandlung unter fachärztlicher Leitung erfolgt dort von montags bis freitages in der Zeit von 8:00 bis 16:00 Uhr. Mit dem Behandlungsangebot der Psychiatrischen Tagesklinik kann eine psychiatrisch-psychotherapeutische Krisenintervention durchgeführt und die vollstationäre Behandlung vermieden werden. Weiterhin können psychisch Kranke nach ihrer vollstationären Behandlung vorzeitig in ihr häusliches Milieu zurückkehren, sich aber in der Tagesklinik weiter stabilisieren und auf die ambulante Behandlung vorbereiten. Chronisch psychisch Kranke mit akuten Erkrankungsphasen finden in der Psychiatrischen Tagesklinik die Möglichkeit zur Therapieoptimierung mit dem Ziel, ihre soziale und berufliche Leistungsfähigkeit wieder herzustellen.
Auch in der Tagesklinik arbeitet ein multiprofessionelles Team (Fachärztin, Diplom-Psychologin, Ergotherapie, Sporttherapie, Musiktherapie, Plegedienst, Sozialdienst). Wie im vollstationären Bereich können die Patienten der Psychiatrischen Tagesklinik auch die Angebote der seelsorgerischen Betreuung des Klinikums in Anspruch nehmen.
Die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)
Die PIA erfüllt einen spezifischen Versorgungsauftrag nach Sozialgesetzbuch (§§ 118,120 SGB V). Sie betreut mit einem fachärztlich geleiteten multiprofessionellen Team psychisch Kranke, die hinsichtlich der Art, Schwere und Dauer ihrer psychischen Erkrankung eines besonderen, krankenhausnahen Behandlungsangebots bedürfen. Unsere Pia befindet sich noch im Aufbau.
