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Der gute alte Röntgenfilm hat nun ausgedient

Ein modernes digitales Bildarchiv beschleunigt Arbeitsabläufe am Dietrich-BonhoefferKlinikum.

CORNELIA LANGBECKER NEUBRANDENBURG.

Als Chefärztin Dr. Sabine Balschat in Neubrandenburg am Computermonitor das Thorax-Röntgenbild eingehend betrachtet, hat der Patient vermutlich gerade erst den Untersuchungsraum im Altentreptower Krankenhaus verlassen.

Umgehend diktiert die Radiologin den erfragten Herz-Lungen Befund in ihren Computer, den dieser per Spracherkennung präzise erfasst: „Aortensklerose ... keine Pneumonie ...“ Und fast im selben Augenblick weiß der Arzt in Altentreptow Bescheid, kann die Therapie einleiten für den Mann, bei dem eine Lungenentzündung ausgeschlossen werden konnte.

Diese schnelle Auswertung und Übermittlung ist möglich dank PACS (Picture Archiving und Communication System), eines modernen digitalen Bildarchivs.

Im Oktober führte das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum PACS ein, finanziert aus Fördermitteln des Landes. Statt Lichtkästen hängen nun große Monitore in den Demonstrations- und in OP-Räumen.

„Für uns hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Der gute alte Röntgenfilm hat nun ausgedient“, sagt Dr. Balschat. Sie muss inzwischen lächeln, wenn sie an das Bildersuchen, das Wühlen in kiloschweren Tüten nach Aufnahmen von Voruntersuchungen oder das Befund-Diktieren auf Kassette denkt.

Das ist vorbei. Und weder sie noch ihre Kollegen wünschen sich das zurück, sagt sie. Ein wenig aufgeregt sei sie allerdings schon gewesen, als sie am 1. Oktober alle Geräte abschalten ließ, die bislang die Röntgenfilme ausdruckten. Die Umstellung sei für viele Mitarbeiter des Klinikums eine große Herausforderung gewesen, weil sich Arbeitsabläufe total veränderten.

Doch alles lief gut. „Und das Arbeiten mit PACS macht Spaß, so wie es die Firma Phönix versprochen hatte“, sagt die Chefärztin.

Röntgen- und Ultraschallaufnahmen, Computertomographie (CT)- und Magnetresonanztomographie (MRT)-Bilder werden jetzt in dem digitalen Archiv abgelegt.

Der Speicher kann viel schlucken. „Wir gehen von vier Terabyte Speicherbedarf im Jahr aus“, sagt Diplommediziner Hartmut Raguß, der die PACS-Projektgruppe am Klinikum leitet.

„Nicht nur aus der Radiologie, sondern auch aus der Urologie und von den meisten mobilen Röntgengeräten in den OP gehen Daten in das Bildarchiv ein“, erläutert Hartmut Raguß. Künftig sollen auch Bilder aus anderen Kliniken, zum Beispiel von Herzkatheter-, Ultraschall- und Laparoskopie-Untersuchungen über PACS erfasst und gespeichert werden.

Die Aufnahmen stehen an allen Computerarbeitsplätzen der Ärzte im Netzwerk und mehreren Nutzern gleichzeitig zur Verfügung, auch in den Krankenhäusern in Altentreptow und Malchin. Der Zugriff ist sofort möglich, nachdem die jeweilige medizinisch-technische Radiologieassistentin die Bilder freigegeben hat. „Bisher musste der Arzt auf Station oft ein bis zwei Tage warten, bis er die Bilder sah“, erinnert Hartmut Raguß. Auch den Befund liest der behandelnde Arzt nun früher. „PACS ermöglicht in Sekundenschnelle alle wichtigen Funktionen der Bildnachverarbeitung an fast jedem Arbeitsplatz. Die 3-D-Darstellung des Sprunggelenks ist ebenso möglich wie die Zugangsplanung für eine Hirn-Operation“, sagt die Radiologin. „Die Arbeitsabläufe wurden enorm beschleunigt.“ Zum Vorteil für den Patienten, dessen Therapie nun schneller einsetzen kann.

Ins digitale Archiv einbinden möchte das Klinikum künftig auch Bilder aus Arztpraxen der Stadt und aus Krankenhäusern, die Patienten überweisen.

Hartmut Raguß indes beschäftigt sich gleichzeitig bereits mit einem neuen Projekt, dem digitalen Dokumentenmanagementsystem. Ein weiterer Baustein zur digitalen Patientenakte.

„Ganz ohne Papier wird es aber vorerst nicht gehen“, ist der Mediziner überzeugt.

Stand 20.03.2010 Quelle: NK100125