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Schlaue Nadel spritzt Zement in die Wirbel

Das Neubrandenburger Klinikum wendet eine neue Behandlungsmethode bei Wirbelkörperbrüchen an. Dabei wird ein gummiartiger Knochenzement in den porösen Wirbel gespritzt. Für den Eingriff ist keine Vollnarkose nötig.

Schlaue Nadel spritzt Zement in die Wirbel

Dr. Steffen Reißberg zeigt eine Aufnahme von der neuen Behandlungsmethode.

Etwa jeder vierte Mensch über 50 Jahre ist von Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, betroffen. Besonders Frauen leiden unter der Erkrankung, bei der die inneren Verstrebungen, die dem Knochen Halt geben, kaputt gehen.

Die Folge ist ein erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen in der Hüfte, den Handgelenken und den Wirbelkörpern. Be-sonders letzteres ist sehr schmerzhaft, wie Oberarzt Dr. Steffen Reißberg, Leiter der Neuroradiologie am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum, sagt.

Seit Ende 2010 wendet Steffen Reißberg eine Behandlungsmethode aus den USA an, die so genannte Radiofrequenz-Kyphoplastie, die bei frischen Brüchen eine schnelle Heilung ermöglicht. „Eine frühzeitige Behandlung ist sehr wichtig, weil wir bei älteren Brüchen mit dieser Methode nichts machen können“, sagt Reißberg.

Mit einer biegsamen Nadel wird ein gummiartiger Knochenzement in den Wirbel gespritzt, der sich dann wie ein Kegel verteilt und die Statik des abgeplatteten Knochens wieder herstellt. „Es gibt auch andere Behandlungsmethoden, aber der Vorteil hierbei ist, dass wir mit der Nadel nur über eine Seite in den Wirbel reingehen und nicht mehr über beide“, erklärt Reißberg. Da der Knochenzement vor dem Einspritzen erwärmt wird, härtet er im Wirbel schnell aus, was das Risiko minimiert, dass der Zement in den sensiblen Bereich des Knochenmarks austreten kann.

86 Wirbelfrakturen bei 67 Patienten hat Reißberg mit dieser neuen Methode schon behandelt. Seit Beginn des Jahres wird der Eingriff auch ohne Vollnarkose vorgenommen. „Das ist gerade bei älteren Patienten ein enormer Vorteil, wo eine Vollnarkose vielleicht zu riskant wäre. Außerdem sparen wir einen zusätzlichen Anästhesisten ein und im Schnitt können die Patienten nach zwei Tagen wieder entlassen werden“, sagt Reißberg.

Ingmar Nehls

Stand 27.06.2012 Quelle: NK120623