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Zusatzinformationen aus dem Herz-MRT

Moderne bildgebende Verfahren erleichtern Ärzten die Diagnose verschiedenster Leiden. Die Angst vieler Patienten vor der „Röhre“ ist unbegründet.

Zusatzinformationen aus dem Herz-MRT

Am Computer wertet Dr. Pietruschka die im Herz-MRT gewonnenen Bilder aus

VON KARIN KOSLIK: Schmerzen in der Brust sind ein Alarmsignal, können sie doch Symptome eines Herzinfarktes sein. Können – müssen aber nicht. Um das abzuklären, greifen Ärzte in größeren Krankenhäusern wie dem Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum unter anderem auf das Verfahren der kardialen Magnetresonanztomografie (Herz-MRT) zurück.

„Zwar lässt sich mit der Herz-MRT die Primärdiagnostik, also Untersuchungen mit dem Herzkatheter oder einem Ultraschallgerät, nicht ersetzen, die Methode kann aber wichtige Zusatzinformationen geben und ist zum Beispiel bei der Diagnostik von Herzmuskelentzündungen das Verfahren der Wahl“, erläutert Dr. Sascha Alexander Pietruschka, Leitender Oberarzt in der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie des Bonhoeffer-Klinikums.

Doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Anwendungsmöglichkeiten: Nach einem Herzinfarkt lässt sich beispielsweise mit Hilfe der MRT unterscheiden, welche Gewebeteile bereits abgestorben oder vernarbt sind und welche noch durch eine Bypass-OP gerettet werden können.

Auch die Durchblutung des Herzmuskels kann „in der Röhre“,wie Patienten häufig zu dem Gerät sagen, dargestellt werden. Dazu wird dem Patienten während der Untersuchung über eine Flexüle ein Medikament injiziert, das eine Stressituation im Herzen simuliert.

Bei gleichzeitiger Gabe eines Kontrastmittels erlaubt die Herz-Stress-MRT-Untersuchung Rückschlüsse auf die Wertigkeit der bei einer vorgeschalteten Herzkatheder-Untersuchung diagnostizierten Engstellung eines Herzgefäßes. Das Ergebnis erlaubt dem Kardiologen zu entscheiden, ob in das betroffene Gefäß ein Stent eingebracht werden muss oder ob eine medikamentöse Therapie ausreichend ist.

„Zur Bestimmung der Herzleistung ist eine Herz-MRT die sicherste Methode“, erläutert Dr. Pietruschka. Bei Herzklappenerkrankungen ist das Verfahren ebenso anwendbar wie bei – sehr selten vorkommenden – Tumoren am Herzen.

„Geeignet ist das Verfahren für alle Patienten, die mitarbeiten können“, so Dr. Pietruschka. Mitarbeiten bedeutet beispielsweise, auf Anweisung ein- oder auszuatmen oder die Luft anzuhalten.

Vielen bereitet die Vorstellung, in eine enge Röhre geschoben zu werden, Angst. „Durch eine gründliche Aufklärung können wir beinahe alle Patienten beruhigen“, ist die Erfahrung des Neubrandenburger Mediziners. Sein Team, das eng mit den Kardiologen des Hauses zusammenarbeitet, nimmt sich deshalb auch für jeden Patienten viel Zeit.

„Die Vorbereitung auf die Untersuchung, zu denen auch das Legen von venösen Gefäßzugängen gehört, dauert ungefähr zehn Minuten. Dann werden erst einmal Routineeinstellungen vorgenommen, in denen die anatomische Situation erfasst wird“, so Dr. Pietruschka. In dieser Zeit würden die meisten Patienten spürbar zur Ruhe kommen – das Elektrokardiogramm (EKG) und die Blutdruckmessung, die bei jeder MRT-Untersuchung vorgenommen werden, würden das belegen.

Anschließend erfolgen die Spezialuntersuchungen entsprechend der diagnostischen Fragestellung.

Unter Umständen gehört dazu die bereits erwähnte Medikamentengabe und auch das Spritzen des Kontrastmittels, das aber, so der Mediziner, in der Regel gut verträglich ist. Nach etwa 45 bis 60 Minuten ist die Untersuchung für die Patienten überstanden.

Für die Mediziner beginnt dann mit dem Auswerten der gewonnenen Bilder der zweite – größere – Teil ihrer Arbeit.

Bildgebendes Verfahren MRT
Ein Magnetresonanztomograph (MRT) produziert mithilfe von sich ändernden Magnetfeldern Daten, die per Computer in Bilder übersetzt werden. Auch dreidimensionale Ansichten von Organen sind möglich.

Weiterentwicklungen der Gerätetechnik in den letzten Jahren haben dazu geführt, auch bewegte Organe wie das Herz untersuchen zu können. Der Vorteil des MRT ist es, dass sich Anatomie und Funktion von Organen in nur einer einzigen Untersuchnng darstellen lassen. Gerade im Herz-MRT kommt diese technische Entwicklung dem Patienten in den genannten breiten Anwendungsbereichen zugute.

Stand 07.02.2011 Quelle: NK110207