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„Sortierte“ Patienten sind zufriedener

Immer mehr Patienten, Kritik an den Wartezeiten – die Notaufnahme des Klinikums schafft mit einem neuen System bessere Bedingungen.

„Sortierte“ Patienten sind zufriedener

Brigitte Benschneider (r.) bringt den Anmeldebogen eines neuen Patienten. Triage-Pflegekraft Monika Hagedorn (l.) ruft ihn in den nächsten Minuten zur Ersteinschätzung herein. FOTO: A. BRAUNS

VON ANKE BRAUNS NEUBRANDENBURG Wer’s nicht muss, der folgt ihnen lieber nicht – den roten Fußtapsen, die vom Eingang des Neubrandenburger Klinikums zur Notaufnahme führen. Schließlich ist niemand gerne ein Notfall, zumal man je nach Andrang mit längeren Wartezeiten rechnen muss. Dass wird sich auch künfkünftig nicht vermeiden lassen, aber mit dem neuen System zur Ersteinschätzung, das die Notaufnahme seit Jahresbeginn nach einem Probelauf praktiziert, wurde schon erreicht, dass die Patienten zufriedener sind, sagt Chefärztin Dr. Regina Tanzer – und damit auch das Personal. Mit der Einführung des sogenannten „Manchester Triage Systems“ (MTS) wolle die Notaufnahme aber nicht nur ihr Image verbessern und sicherstellen, dass Betroffene mit schweren Erkrankungen zuerst behandelt werden, sondern sich auch für die jährlich steigenden Patientenzahlen rüsten. „1992 lag die Zahl der Patienten in der Notaufnahme noch bei 16.000, 2009 waren es erstmals über 30.000“, macht die Chefärztin deutlich.

Wer sich jetzt in der Notaufnahme anmeldet, der kommt innerhalb kurzer Zeit zu einer Pflegekraft – man erkennt die TriageVerantwortliche am zweifarbigen Outfit: weiße Hose, blaues Oberteil. Die Fachkraft befrage den Patienten genauer nach Beschwerden. Sie beurteilt Schmerzen, Atmung, Bewusstsein, kontrolliere Blutdruck, Temperatur, Puls, Sauerstoffsättigung, eventuell auch Blutzucker, so Regina Tanzer. Dann stuft die Schwester den Patienten in eine von vier Kategorien ein. Rot bedeutet, er wird sofort dem Arzt vorgestellt, bei Gelb (dringend) soll nur eine kurze Zeit bis zur Untersuchung durch den Arzt vergehen. Den Patienten, die in Grün (normal) oder Blau (nicht dringend) eingestuft werden, erklärt die Fachkraft, dass sie eventuell länger warten müssen, weil sie selbst nicht so schwer erkrankt seien. Dabei könne der Arzt einen Fall anschließend durchaus als weniger dringend einschätzen, so Regina Tanzer, denn die Ersteinschätzung habe ein sehr hohes Sicherheitsniveau, im Zweifelsfall werde ein Patient immer höher eingestuft. Nach dem MTS gebe es noch eine orange Einstufung (sehr dringend), auf die verzichte man aber, weil in Neubrandenburg im Gegensatz zu vielen anderen Notaufnahmen rund um die Uhr ein Arzt Dienst habe.

Erster Schritt für die Neubrandenburger war die Aufstockung des Personals in der Früh- und Spätschicht der Notaufnahme von drei auf jeweils vier Mitarbeiter, berichtet die Chefärztin. Sie wurden geschult, zwei Pflegekräfte sollen noch zu richtigen Profis ausgebildet werden, damit sie andere Mitarbeiter schulen können. Den TriageDienst übernehmen nur Pflegekräfte, die mehrjährige Erfahrungen mit Notfallpatienten haben. So wie die leitende Stationsschwester Monika Hagedorn, die seit 1991 in der Notaufnahme arbeitet. „Das neue System ist für die Patienten schöner und für uns auch“, sagt sie. Das Personal habe ein besseres Gefühl, wenn es zuverlässiger wisse, wer noch im Wartebereich sitze. Und Patienten, die länger warten müssen, seien jetzt beruhigter, wenn bereits eine Fachkraft eine erste Einschätzung vorgenommen hat, und zufriedener, wenn ihnen das System erklärt werde. Optimal werde die Ersteinschätzung erst laufen, wenn die Notaufnahme demnächst zusätzliche Räume bekommt, so Regina Tanzer.

Systeme der Ersteinschätzung wie das „Manchester Triage System“ setzen sich weltweit in den Notaufnahmen durch. Verwendet wird zwar Triage für Sichtung/ Einteilung, aber der aus der Militärmedizin stammende Begriff entspricht der Ersteinschätzung nur bedingt. Seien beispielsweise bei einer Triage auf Schlachtfeldern die Verletzten nach Akutheit sortiert, zum Teil aber auch auf Grund der Katastrophensituation in aussichtslosen Fällen liegen gelassen worden, um andere retten zu können, so Dr. Regina Tanzer, „sortieren wir zwar auch, lassen aber keinen Patienten außen vor“.

Stand 21.03.2010 Quelle: NK100224