Weiterbildungsbefugnisse

Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendchirurgie

Die Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg betreibt die Kinder- und Jugendchirurgie in einem breiten Spektrum, sodass die Voraussetzungen für die Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendchirurgie gegeben sind. Die Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie betreibt 19 Betten und deckt dabei das gesamte diagnostische und operative Spektrum der modernen Kinder- und Jugendchirurgie ab. Die Chefärztin sowie beide Oberärztinnen der Klinik besitzen die volle Weiterbildungsermächtigung.

Die Weiterbildungszeit für den Facharzt für Kinder- und Jugendchirurgie umfasst gemäß der WBO ÄK MV 2020 72 Monate. Davon müssen 6 Monate in der Notaufnahme, 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie 6 Monate Weiterbildung in der Kinder- und Jugendmedizin abgeleistet werden. Es kann zum Kompetenzerwerb bis zu 6 Monate Weiterbildung in anderen Fachgebieten erfolgen. 48 Monate betreffen die spezifische Weiterbildung in der Kinder- und Jugendchirurgie.

Die Ausbildung umfasst Operationen der Allgemeinen Kinderchirurgie, der Neugeborenen- und Fehlbildungschirurgie, der Kinderurologie und der Kindertraumatologie. Dabei werden zunehmend die in der Kinderchirurgie üblichen MIC-Verfahren angewendet. Sonographie und Duplexsonographie stehen ebenso zur Verfügung wie ein urodynamischer und rektomanometrischer Messplatz. Die entsprechenden Verfahren können erlernt werden. 

6 Monate Pädiatrie und 6 Monate Pädiatrische Intensivmedizin können in unserem Klinikum absolviert werden, ebenso 6 Monate Notaufnahme. Es besteht eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kliniken des DBK, insbesondere mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Klinik für Neurochirurgie und der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin.

6 Monate Ausbildungszeit Notfallaufnahme wird realisiert durch die kontinuierliche Teilnahme am Bereitschaftsdienst mit voller Versorgung der in der Notaufnahme eintreffenden Kinder in Verantwortung der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie sowie interdisziplinär bei Schockraum-Patienten mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und der Anästhesie. Einbindung des kinderchirurgischen Bereitschaftsdienstes je nach vorliegendem Krankheitsbild bzw. den Unfallfolgen interdisziplinär zur Versorgung von Patienten gemeinsam mit der Radiologie, Pädiatrie, HNO, MKG, Unfallchirurgie und Neurochirurgie. Die Ausbildungszeit in der Notaufnahme beginnt mit dem Einsatz als Bereitschaftsdiensthabender in der Kinderchirurgie und umfasst den gesamten Ausbildungszeitraum einschließlich der pädiatrischen Ausbildungszeit.

Die Ausbildungsinhalte Notfallaufnahme und interdisziplinäre Intensivmedizin werden theoretisch vertieft durch Teilnahme sowie aktive Mitgestaltung der Assistenten von Fortbildungen gemeinsam mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie Unfallchirurgie und Neurochirurgie wie z. B. zu den Themen Reanimation, Polytrauma-Versorgung und Trauma-Netzwerk.

Die Facharzt-Weiterbildung Kinder- und Jugendchirurgie teilt mit anderen chirurgischen Facharztausbildungen übergreifende Inhalte, die in der Startphase durchlaufen werden. Dies erfolgt in der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie entsprechend der Vorgaben, jedoch bereits kindbezogen.

Gegliedertes Programm über den strukturierten Ablauf der Weiterbildung Kinder- und Jugendchirurgie

1. Weiterbildungsjahr

  • Vermittlung wesentlicher Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch bei Inzision, Präparation, Wundversorgung, Naht- und Knotentechnik
  • Erlernen des Wundmanagements, Erkennen und Beurteilen von Wunden, deren fachgerechte Versorgung durch primäre Wundnaht bzw. verschiedene Wundauflagen, so auch Grundlagen/Prinzipien der chirurgischen Wundversorgung
  • chirurgische perioperative Behandlung inkl. Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge, Komplikationsmanagement
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände, Erlernen der konservativen Frakturbehandlung bei Kindern und Jugendlichen und Anwendung verschiedener Gips- und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen, Erlernen der spezifischen Probleme im Kindes- und Jugendalter
  • Indikationsstellung und Anordnung von Röntgenuntersuchungen sowie Befunderhebung von durchgeführten radiologischen Untersuchungen (Röntgenbilder, CT, Sonographie) inkl. Kenntniskurs Strahlenschutz
  • unter Anleitung Befundung der Röntgendiagnostik, insbesondere bei kinder- und jugendtraumatologischen Fragestellungen
  • Erkennen und Behandlung akuter lebensbedrohlicher Notfälle und Anwendung lebensrettender Maßnahmen durch zweijährliche Schulung und Wiederholung Management im Schockraum, kardiopulmonale Reanimation
  • Erlernen und Erkennen von differenzierten Beatmungstechniken einschließlich atemunterstützenden Maßnahmen bei intubierten/nicht intubierten Patienten
  • Einführung in die Infusionstherapie und Erstellen von Infusionsplänen für verschiedene Alterskategorien vom Säugling bis zum Jugendlichen
  • Grundlagen der Transfusion und Blutersatztherapie
  • Punktionstechniken der Gefäße
  • Katheterisierung der Harnblase notfallmäßig einschließlich Einlage einer suprapubischen Harnblasenableitung, dies auch erlernbar im Rahmen geplanter operativer Maßnahmen
  • Grundlagen medikamentöser Schmerz- und Antibiotikatherapie
  • Grundlage Sonographie und fachbezogene Anwendung
  • Operationsassistenzen und selbstständige Operationen wie Metallentfernungen, Herniotomie nach Spitzy, Mädchenhernie, Abszesseröffnung
  • Erlernen und Heranführen an die Dokumentation der Erkrankungen als auch der operativen Maßnahmen
  • Teilnahme am D-Arzt-Verfahren durch Schaffen theoretischer Grundlagen, Erstellen von D-Arzt-Berichten und Verläufen sowie Mitbehandlung im stationären Ablauf als auch in der Durchgangsärztlichen Sprechstunde

2. Weiterbildungsjahr

  • Vertiefung der Kenntnisse des 1. WB-Jahres
  • Teilnahme am Kurs Basischirurgie des BDC
  • Assistenz bei der Anlage von zentralen Venenkathetern über die Vena jugularis bzw. Anlage eines Katheterverweilsystems (Port)
  • Indikationsstellung und Begleiten der Anlage von Thoraxdrainagen im Rahmen des Schockraummanagements bzw. geplant im Rahmen pädiatrischer Erkrankungsbilder
  • Absolvierung des Grundkurses Ultraschall im Kindesalter und verschiedener sonographischer Untersuchungstechniken selbstständig
  • Einbeziehen in das Schockraum-Management des Klinikums, in dem die Kinderchirurgie einen festgeschriebenen Platz belegt sowie mit den interdisziplinären Absprachen und dem Versorgungsalgorhythmus Polytrauma im Rahmen des Trauma-Netzwerkes
  • OP-Assistenz bei weiteren chirurgischen Eingriffen und Erlernen dieser unter Anleitung und Durchführung Phimosen-Operation, Hernien-Operation beim Jungen, Retentio testis, Hydrozelen, Kniegelenkspunktionen, konventionelle Appendektomien, Versorgung thermischer Verletzungen
  • OP-Assistenz und Erlernen der Technik bei Reposition von Frakturen/Luxationen, bei einfachen Osteosynthesen mit Kirschnerdrähten und Prevotnägeln
  • 1. Assistenz bei endoskopischen Eingriffen der Kinderurologie sowie minimalinvasiven abdominellen Eingriffen
  • 2. Assistenz bei Eingriffen der Früh- und Neugeborenenchirurgie und größeren abdominellen und kinderurologischen Engriffen

3. Weiterbildungsjahr

  • Einführen in das DRG-System sowie in die Kodierung
  • Erlernen besonderer Untersuchungstechniken für Erkrankungen und Verletzungen der Extremitäten, Einschätzung der Bewegungsausmaße, Beurteilung bestimmter Knieverletzungen
  • Teilnahme und Mitbeurteilung von Funktionsuntersuchungen wie Urodynamik, Analmanometrie und pH-Metrie
  • Vervollkommnung der Grundlagen der Anwendung der Sonographie durch spezielle Verfahren wie Sonographie der Frakturen, Teilnahme und Durchführung von Ultraschalluntersuchungen des Abdomens, der Urogenitalorgane, von Weichteilen und des Schädels
  • Erweiterung des operativen Spektrums und selbstständiges Operieren von Jungenhernien und Säuglingshernien, Hodenfreilegung bei Hodentorsion, hypertrophe Pylorusstenose, konventionelle Appendektomie, thermische Verletzungen
  • 1. Assistenz und schrittweise Übernahme von Schritten bei minimalinvasiver Appendektomie
  • 2. Assistenz bei Ureterabgangsplastiken und Neoimplantationen, Stoma-Anlage
  • Indikationsprüfung zu kinderendoskopischen Untersuchungen wie Gastroskopie, Koloskopie, Rektoskopie, Urethrozystoskopie einschließlich retrograder Darstellung
  • Reposition und operative Versorgung bei Frakturen der großen Extremitäten, Assistenz bei komplexen Frakturen des Sprung- und Ellenbogengelenkes
  • Teilnahme an interdisziplinären Röntgenbesprechungen und Erhebung intraoperativer radiologischer Befunde
  • Einführung in die Lasertechnik, insbesondere im Rahmen der Behandlung von Hämangiomen und intraurethraler oder vesikaler Laseranwendung
  • soweit möglich Teilnahme am Basiskurs minimalinvasives Operieren

4. Weiterbildungsjahr

  • 12 Monate Rotation in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, 6 Monate Allgemeine Pädiatrie und 6 Monate Pädiatrische Intensivmedizin (interdisziplinäre Kinder-ITS)
  • Diagnose und Therapie verschiedener pädiatrischer Krankheitsbilder
  • Erstellung von Infusionsplänen sowie Ernährungsplänen vom Frühchen bis zum Jugendlichen
  • intensivmedizinische Grundkenntnisse inkl. Beatmungstechniken und Anwendung in Abhängigkeit Alter/Krankheitsbilder

5. Weiterbildungsjahr

  • Vertiefung der Kenntnisse und Förderung der Selbstständigkeit
  • 1. Assistenz bei Operationen angeborener Fehlbildungen und geplanten notfallmäßigen Versorgungen Früh- und Neugeborener (Gastroschisis, Omphalozele)
  • Weiterentwicklung der operativen Fähigkeiten in der Kinder- und Jugendtraumatologie durch selbstständiges Operieren von Frakturen der Röhrenknochen, 1. Assistenz bei gelenknahen Frakturen und Heranführen an diese Operationen
  • Assistenz bei operativen Eingriffen im Kopf-/Halsbereich, insbesondere neurochirurgischen Eingriffen wie Schädeltrepanation, Liquorableitung (Hospitation in der Neurochirurgie)
  • Assistenz und Erlernen operativer Fähigkeiten bei der Versorgung von Fehlbildungen der Halsregion (mediale laterale Halszysten)
  • Erlernen von Techniken und Assistenz bei Operationen der Thoraxwand wie Trichterbrust-Korrektur nach Nuss
  • 1. Assistenz bei größeren abdominellen Eingriffen auch im Früh- und Neugeborenenalter, Erlernen Stoma-Anlage bzw. Stoma-Rückverlagerung
  • Diagnostik bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen, Hämaturie, Enuresis nocturna, kinderurologische Eingriffe wie Meatotomie, Zirkumzision, Harnröhrenbougierung, Urethrozystoskopie, Indikationsstellung, ggf. auch Unterspritzung mit Dexell, retrograde Darstellung, indikationsabhängig Entscheid operativer Maßnahmen bei Megaureter refluxiv/obstruktiv und notwendiger Diagnostik und therapeutischer Maßnahmen, Anlage einer kutanen Ureterostomie, Assistenz bei Neoimplantation des Ureters, Rückverlagerung von Stomata, Nierenbeckenplastik
  • Diagnostik und Indikationsstellung sowie operative Versorgung bei komplexeren abdominellen Krankheitsbildern, Erkennen und Behandlung der Invagination, einschließlich Devagination, Sonographie-gestützt
  • Intensivierung und selbstständige Teilnahme an der durchgangsärztlichen Versorgung von VAV- und SAV-Verfahren für Kinder und Jugendliche mit Kennenlernen besonderer versicherungsrechtlicher und administrativer Aspekte

6. Weiterbildungsjahr

  • Weitere Förderung der Selbstständigkeit, Selbsteinschätzung der Fähigkeiten und Grenzen
  • Kenntnisse bei sexuellen Differenzierungsstörungen inklusive Basiswissen Genetik
  • Teilnahme an interdisziplinären pränatalen Konsilen und Mitbesprechung von pränatalen Befunden
  • Vermittlung von Kenntnissen der pränatalen Diagnostik
  • Erkennen pränataler Fehlbildungen und deren Differenzialdiagnose und Konsequenzen für das postnatale outcome
  • Teilnahme an der KV-Ermächtigungssprechstunde mit Kennenlernen der besonderen administrativen Probleme sowie ambulanten Kinderchirurgie
  • Teilnahme und Assistenz bei angeborenen Fehlbildungen wie Polydaktylie und Syndaktylie
  • Teilnahme an der speziellen Kinderchirurgischen Fortbildung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie sowie Fortschreiten der Entwicklung zur Verbesserung der laparoskopischen Fähigkeiten durch Teilnahme auch hier an Fortbildungsseminaren
  • Teilnahme an Grund- und Spezialkurs der Strahlendiagnostik zur Erlangung der Fachkunde der Strahlendiagnostik
  • Diagnostik, Differentialdiagnostik von onkologischen Erkrankungen, Erkennen der Krankheitsbilder der Pädiatrischen Onkologie, Therapie-Prinzipien
  • Erlernen von Fähigkeiten bei Operationen am Gefäßsystem mit Einlage von ZVK, Broviac-Kathetern oder Port-System
  • Durchführen von plastischen Operationen wie Narbenkorrekturen, Teilnahme und Assistenz bei Hauttransplantationen (Vollhaut, Spalthaut)
  • selbstständiges Durchführen von minimal-invasiven Eingriffen wie Appendektomien, Ileus-Behandlung durch Bridenlösung, Ovarialzysten, Varikozelen, intraabdominelle Hodensuche
  • Assistenz bei umfangreicheren minimal-invasiven Eingriffen des Abdomens wie auch der Nieren und des Thorax
  • Sehnen- und Nervenverletzungen bei Kindern erkennen, Diagnostik und Therapie
  • Diagnostik und Exploration bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, Mitarbeit im Kinderschutz, insbesondere Ablauf bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch, körperliche Misshandlung
  • Hospitation in Kooperationskliniken zur Beteiligung an onkologischen Eingriffen bzw. auch seltenen neonatologischen Eingriffen bei Fehlbildungen wie Zwerchfelllücke, Ösophagusatresie, Blasenekstrophie